Montag, 23. Oktober 2017

Buchrezension Mit welchem Portfolio man den Weltuntergang übersteht

„Sein Haar weiß wie Wolle”: Autor Rickards zitiert gern die Johannes- Offenbarung. Trumps Wahlsieg sieht er als weiteren Schlag gegen die alte Weltordnung.

Bestsellerautor James Rickards stellt sein Portfolio für den Weltuntergang vor. Überzeugen kann es nicht.

Buchtipp

James Rickards
Der Weg ins Verderben: Wie die Eliten die nächste Krise vorbereiten und wie Sie sich davor schützen können

FinanzBuch, 384 Seiten, 24,99 Euro

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Bei einem Abendessen im römischen Palazzo des Adelsgeschlechts Colonna fragte der US-Anwalt James Rickards seine Gastgeberin, wie es ihrer Familie gelungen sei, den Reichtum über 900 Jahre zu bewahren. Die Antwort: "Ein Drittel Gold, ein Drittel Kunst, ein Drittel Land." Davon angeregt, hat der Bestsellerautor ein Portfolio entwickelt, das den Weltuntergang überstehen soll und das er im letzten Kapitel seines neuen Buches darlegt. Zuvor begründet er im Ton einer Feuerwehrsirene, warum ein Weltkrieg und der Kollaps des Finanzsystems nahen.

Rickards hat bereits mehrere Weltuntergangsbücher geschrieben ("Die Geld-Apokalypse", "Währungskrieg"), das Szenario ist also bekannt. Interessant ist an dem neuen Werk vor allem das Depot für die Apokalypse. Stellt sich die Frage: Was taugt es?

Kurzfristig lässt sich damit wenig verdienen, der Bargeldanteil (aus Sicherheitsgründen teils in Geldscheinen) liegt bei 30 Prozent. Hinzu kommen 10 Prozent in Staatsanleihen. Dieser Teil fällt als Renditequelle aus - im Zweifel noch sehr lange. Denn auch Rickards weiß nicht, wann der große Crash über uns hereinbricht.

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Sein Rat, 20 Prozent des Vermögens in Immobilien zu stecken, insbesondere in eine selbst genutzte Wohnung, ist bei den bereits sehr hohen Preisen in vielen deutschen Großstädten auch eher schwierig. Ebenso wie die Empfehlung, ein Zehntel in Wagniskapital zu investieren (neben 10 Prozent in Gold und Silber, 10 in Aktien und 5 in Hedgefonds). Denn es gibt kaum erfolgreiche Venture-Fonds für Privatanleger.

Noch problematischer ist der Vorschlag, 5 Prozent des Geldes in Kunstfonds anzulegen. Von den 36, die Art-Basel-Miami-Kurator Noah Horowitz 2011 in seiner Doktorarbeit identifizierte, wurde jeder zweite wegen Misserfolgs geschlossen.

Mein Tipp: Sparen Sie sich das Geld für das Buch - und kaufen Sie Aktien. Bis die Welt untergeht, werfen die wenigstens Dividende ab.

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