Dienstag, 14. August 2018

Milliardengeschäft 3D-Druck - Weltmarktführer aus der deutschen Provinz

Industrie 4.0: Nichts ist unmöglich
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EOS

Deutsche Unternehmen entwickeln den 3D-Druck zur Industriereife. Können sie ihren Vorsprung - anders als in der Solar- und Windbranche - in ein Milliardengeschäft verwandeln?

Die folgende Geschichte stammt aus der April-Ausgabe 2018 des manager magazins, die Ende März erschien. Wir veröffentlichen sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Die Zukunft versteckt sich zwischen der Autobahnausfahrt Feuerbach und dem bürgerlichen Wohngebiet am Beutenbach. Ein unscheinbares Betongebäude im Gewerbehof, eine Glastür ohne Namensschild, dahinter ein Getränkeautomat und Putzeimer. Nichts deutet auf den Hightechhotspot am Rand des schwäbischen Ditzingen hin.

Bis man drin ist in der Halle: Alles hier ist klinisch rein, die Ingenieure tragen weiße Kittel und Schutzbrillen, hinter Panzerglasscheiben ziehen Laserstrahlen blitzende Spuren in ein schimmerndes Pulverbett. Auf einem Tisch steht ein vierzackiger Werkzeugeinsatz, sein digitales Ebenbild leuchtet auf dem Bildschirm in Blau-Grün: Er hat die Qualitätsprüfung bestanden. Seine Oberfläche ist so perfekt wie die eines Feingussteils, der Clou aber ist das geschwungene organische Innenleben des Vierzacks: Das kühlt ihn, erhöht seine Zug- und Bruchfestigkeit und ist mit konventionellen Methoden nicht zu erzeugen.

"Wir machen das Unmögliche möglich", preist Tobias Baur die Fähigkeiten der 3D-Drucker, die im Labor des Maschinenbauers Trumpf Metallpulver zu kühnen Konstrukten verschmelzen. Der Direktor des Bereichs Additive Manufacturing lässt austüfteln, wie hochkomplexe Werkteile "robust, prozesssicher und unendlich oft mit identischem Ergebnis" gefertigt werden können.

Peter Leibinger, Mitinhaber und Cheftechnologe von Trumpf, will die 3D-Drucker nahtlos in die Maschinenparks von Fabriken einfügen. Nur so kann er seine teuren TruPrint-Anlagen in ausreichender Stückzahl verkaufen. "500 Millionen Euro Umsatz in fünf bis sieben Jahren" will der Laserspezialist mit Additive Manufacturing, kurz AM, erzielen. Der Maschinenbauer denkt groß - in industrieller Serie.

So wie Leibinger setzen auch viele andere auf einen Boom im 3D-Druck. Noch ist das Geschäft überschaubar, doch laut Marktforscher IDC soll es bis 2020 von 12 auf über 35 Milliarden Dollar anschwellen. Optimisten rechnen sogar mit dreistelligen Milliardenumsätzen. Da will die deutsche Industrie ganz vorn mitspielen. Ihr ambitionierter Plan: AM zu einer neuen Produktionstechnik aufbauen, die neben dem Fräsen, Drehen oder Pressen in jede Werkshalle gehört.

Additive Manufacturing (AM): 3D-Drucker taugen längst für große Serien

3D-Drucker sind schon heute mehr als nur Bastelkisten für drollige Mini-Me-Figürchen, schrillen Schmuck, Kleinstserien oder Prototypen. Sie taugen längst für große Serien: bei Komponenten etwa, die besonders leicht oder komplex sein müssen. Experten schätzen, dass 2030 rund 5 Prozent aller Bauteile für Fahr- und Flugzeuge aus Druckern kommen.

Dieses Techbusiness wollen sich die deutschen Maschinenbauer nicht entgehen lassen. DMG Mori aus Bielefeld hat vor gut einem Jahr den AM-Experten Realizer aus Borchen gekauft, frei nach dem Motto: Wir kannibalisieren uns lieber selbst, bevor es andere tun. Marktführer EOS, dessen Gründer Hans Langer als Erfinder des industriellen 3D-Drucks gilt, baut gerade mit Daimler Börsen-Chart zeigen und der Airbus-Tochter Aerotech eine Fabrik der Zukunft. Die soll ab Herbst 2018 in großen Stückzahlen Bauteile für Autos und Flugzeuge liefern. Auf EOS-Anlagen fertigt schon US-Industriegigant General Electric (GE) Börsen-Chart zeigen Tausende von Triebwerksteilen.

"Wir müssen keinen Unternehmenschef mehr von den Vorzügen von AM überzeugen", sagt EOS-CEO Adrian Keppler. Sie fragten von sich aus nach. Und so ist hierzulande in den vergangenen Jahren ein regelrechtes Ökosystem für AM entstanden: BASF Börsen-Chart zeigen, Heraeus oder auch die schweizerische Oerlikon Börsen-Chart zeigen liefern die unterschiedlichen Schmelzpulver, Linde Börsen-Chart zeigen sorgt mit Schutzgasen für konstante Bedingungen in der Baukammer, Siemens Börsen-Chart zeigen und SAP Börsen-Chart zeigen stellen die Software, mit der EOS und Trumpf dann die unglaublichsten Gebilde produzieren, die wiederum bei Airbus Börsen-Chart zeigen, der Bahn, BMW Börsen-Chart zeigen oder Volkswagen Börsen-Chart zeigen verbaut werden.

Fast 40 Prozent der heimischen Unternehmen nutzen Beratern von EY zufolge bereits 3D-Druck - mehr als in jedem anderen Industrieland.

Genügt diese starke Ausgangsposition, um den serienmäßigen 3D-Druck aus Deutschland heraus zu einem neuen Big Business, einer neuen Kernbranche zu formen? Oder erleiden die 3D-Spezialisten das gleiche Schicksal, das zuvor bereits die MP3-, Solar- und Windradentwickler ereilte: Ganz früh dran, dann aber zu ängstlich und kleinteilig beim Vermarkten und ganz schnell wieder raus?

Fest steht: AM fügt sich perfekt ein in die bereits vorhandene Know-how- und Wertschöpfungskette der Deutschland AG mit ihren vielen Weltmarktführern im verarbeitenden Gewerbe. Die Erfolgschancen sind also so gut wie lange nicht.

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