Dienstag, 26. Juli 2016

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Claus-Dietrich Lahrs geht fristlos Hugo-Boss-Chef noch vor wenigen Wochen: "Wie kommen Sie darauf?"

Noch im Januar dementierte Claus-Dietrich Lahrs Rücktrittsgerüchte

Im Interview mit manager magazin für die Januar-Ausgabe hatte Hugo-Boss-Chef Claus-Dietrich Lahrs noch vehement dementiert, er werde vorzeitig sein Amt aufgeben. "Gehen Sie davon aus, dass ich hier noch viel vorhabe." Jetzt hat der Manager geschmissen. Lesen Sie hier das erst wenige Wochen alte mm-Interview

manager magazin: Herr Lahrs, Sie haben 2015 Ihre Umsatz- und Renditeziele verfehlt, auch Ihre Prognosen für 2016 sind eher verhalten. Hat Hugo Boss die besten Zeiten hinter sich?

Claus-Dietrich Lahrs: Wie kommen Sie darauf? Boss ist eines der profitabelsten Unternehmen in Deutschland. Egal ob Europa, Amerika oder Asien - wir erzielen auf allen Märkten gute Gewinne.

mm: 2011 und 2012 stieg der Boss-Umsatz mit zweistelligen Raten, jetzt müssen Sie sich mit 3 bis 5 Prozent begnügen. Wie wollen Sie wieder an die frühere Dynamik anknüpfen?

Lahrs: Die geringeren Wachstumsraten der jüngeren Zeit müssen Sie in das aktuelle Umfeld einbetten. Relativ betrachtet, schlagen wir uns mehr als achtbar. Nach vorn geblickt: Für uns steht derzeit die Verbindung des Onlinehandels mit unseren stationären Läden im Fokus. Wir haben als einer der Ersten in der Branche das Internet genutzt. Heute bringt unser Onlineportal mehr Umsatz als jeder andere Store, den wir in der Welt betreiben. Wir müssen hier noch weiter zulegen, unsere Onlinepräsenz ausbauen und unseren Auftritt in den sozialen Netzwerken stärken.

mm: Kannibalisiert das Web nicht Ihr mühsam aufgebautes eigenes Ladennetz?

Lahrs: Das Gegenteil ist der Fall: Das Netz bringt uns immer öfter Käufer in die Shops. Der Kunde schaut sich online eine Boss-Hose an und geht dann in den Boss-Store, um sie anzuprobieren. Oder anders herum: Wenn eine Kundin in unserem Shop nicht die richtige Größe findet, dann bestellen wir vor Ort das passende Stück über ein Tablet und liefern es ihr am nächsten Tag nach Hause.

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mm: Taugen Ihre IT und die Logistik überhaupt für die steigende Komplexität?

Lahrs: Wir besitzen bereits eine hervorragende IT- und Logistikinfrastruktur, die unter anderem für unsere Erfolge verantwortlich ist. Diese Stärke bauen wir zurzeit weiter aus, indem wir investieren. Auch die Produktentwicklung wird digitaler. Ein Grund hierfür ist, dass wir zunehmend persönlich auf die Kunden zugeschnittene Ware anbieten, wie etwa Maßanzüge. Wir sind vor einigen Jahren erfolgreich in dieses Geschäft eingestiegen.

mm: Sie haben den Boss-Umsatz vor allem durch die Eröffnung eigener Filialen nach oben getrieben. Können Sie sich das noch leisten?

Lahrs: Die Erhöhung des Umsatzanteils, den wir mit eigenen Stores machen, ist weiterhin unser Ziel. Aber wir gehen langsamer vor. 2016 werden wir 10 bis 15 neue Shops aufmachen, vor allem in den Metropolen. In Regionalstädten werden wir in den kommenden Jahren eventuell den einen oder anderen Laden schließen.

mm: Ihr Vertrag läuft bis Sommer 2018. Es heißt in der Branche, so lange wollen Sie nicht bleiben.

Lahrs: Unsere Branche ist eine der geschwätzigsten, die es gibt. Hugo Boss ist ein hervorragendes Unternehmen, dessen Weiterentwicklung mir unverändert Spaß macht. Gehen Sie mal davon aus, dass ich hier noch viel vorhabe.


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