Mittwoch, 25. Mai 2016

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Henkel in Schwierigkeiten Kein Persilschein für Henkel-Chef Rorsted

Henkel: Starke Kleber, dünne Kosmetik
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DPA

In dem Familienkonzern wachsen die Zweifel, ob Renditetreiber Kasper Rorsted der richtige Chef für die nächste Etappe ist. Lesen Sie den ausführlichen Report aus der Dezember-Ausgabe von manager magazin.

Kasper Rorsteds Sätze haben die Zielstrebigkeit von Geschossen. Sie kennen Ansprüche, aber keine Gnade. Der Grundton ist fordernd. Bei dem 53-jährigen Henkel-Chef ist das meiste "zwingend notwendig", vieles "unbedingt erforderlich". Häufig schwingt Genervtsein mit, weshalb sich manch einer in Gesellschaft von Rorsted leicht an Matthias Sammer erinnert fühlt, den Bayern-München-Manager, der selbst bei einem Fünf-zu-null-Sieg keine Zufriedenheit entwickeln kann.

Entsprechend demonstrativ ist Rorsteds Arbeitseifer. 200 Tage im Jahr treibt der Herr der deutschen Vorzeigemarken Persil und Schwarzkopf die Truppen an den Außenposten an. Zuletzt kämpfte er sich mit symbolträchtigem Dreitagebart vier Wochen durch US-amerikanische Henkel-Refugien. In China ordnete er ein rigides Sparprogramm an.

Der Einsatz ist löblich. Aber der Schwung führt mehr als nur um Haaresbreite am Ziel vorbei. Was der dynamische Henkel-Chef eigentlich anpacken müsste, das schafft er nicht.

Im Waschmittel- und Haarpflegesektor verbreitet Henkel Börsen-Chart zeigen in der großen weiten Welt kaum Glanz, rangiert abgeschlagen hinter Branchengrößen wie Procter & Gamble (P&G) Börsen-Chart zeigen, Unilever Börsen-Chart zeigen oder L'Oréal. Das vermag auch Rorsted nicht zu ändern. Weder hat er in seiner siebeneinhalbjährigen Regentschaft größere Zukäufe gewagt, noch hat er die Fähigkeit gezeigt, die existierenden Hauptmarken des Konzerns rund um den Globus auszurollen.

Auch das weltweit führende Klebstoffgeschäft, das knapp die Hälfte zum Umsatz beiträgt, hat Rorsted nicht ausreichend entwickelt. Weil ihm die Rendite über alles geht, müssen die Bereichsleiter anders als bei vorausschauenden Rivalen sparen, statt mutig in neue Produkte zu investieren.

Und so machen sich Zweifel an der Rorsted-Rezeptur breit. Insbesondere in der Henkel-Familie, der knapp 61 Prozent der Stammaktien gehört, wächst die Skepsis. Teile des Clans sorgen sich, dass ihr erster Angestellter allzu sehr auf schnelle Erfolge fixiert ist und damit womöglich die Zukunft des Traditionsunternehmens gefährdet.

Bekümmert registrieren sie, dass gute Mitarbeiter den Konzern reihenweise verlassen, weil Rorsted immer wieder Schmerzgrenzen überschreitet. Der Aderlass in der zweiten Reihe etwa (bei Henkel die sogenannte MC0-Ebene) ist auffällig groß. Die ehemalige Henkel-Kosmetikfrau Tina Müller (47) - heute Marketingchefin bei Opel - ging entnervt nach 17 Jahren. Asien-Chef Patrick Kaminski (46) floh zu Beiersdorf Börsen-Chart zeigen. Klebstoffmann Alan Syzdek suchte jüngst erst das Weite.

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