Sonntag, 17. Dezember 2017

Franz Pischinger - einer der besten deutschen Wissenschaftler Deutschlands Motorenmeister

Dr. Franz Pischinger
Mario Wezel für Manager Magazin
Dr. Franz Pischinger

Der Maschinenbauer aus Aachen hat Diesel- und Ottomotoren sauberer, leiser und sparsamer gemacht - ganz ohne zu manipulieren. Dafür wurde er in die Hall of Fame der deutschen Forschung des manager magazins aufgenommen.

Franz Pischinger ist habilitierter Maschinenbauingenieur, man könnte ihn aber auch als Herzchirurgen bezeichnen. Denn sein Spezialgebiet ist die Herzkammer der deutschen Automobilindustrie. In den Brennräumen von Otto- und Dieselmotor hat er jahrzehntelang Zündtemperatur und Sauerstoffmenge sowie den Schadstoffgehalt der Abgase erforscht. Auf Basis der Ergebnisse entwickelte Pischinger dann Programme für Einspritzsysteme, Katalysatoren und die Motorsteuerung.

Mit seinen Erkenntnissen hat der gebürtige Österreicher geholfen, den Spritverbrauch erheblich zu reduzieren, er hat die Motoren leiser gemacht, effektiver und sauberer. Heute stoßen Autos nur mehr 1 bis 4 Prozent der Schadstoffe aus, die sie noch vor 40 Jahren in die Luft bliesen. Ohne Pischingers Optimierungskünste dürfte sich niemand mehr motorisiert durch die Citys von London, New York oder Berlin bewegen.

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Bild: manager magazin

Kolben, Zylinder und Brennstoffkammern haben es dem Jungen aus der Steiermark bereits früh angetan. Nach dem Abitur zieht es ihn 1948 an die Technische Hochschule in Graz - der Onkel lehrt dort als Professor für Maschinenbau. An dessen Lehrstuhl findet Neffe Franz sein Lebensthema: Diesel- und Ottomotoren. "Man hielt die Technik damals schon für ausgereift, alle Trümpfe für ausgespielt", erinnert sich Pischinger. Er will beweisen, dass da noch viel saubere Luft nach oben ist.

Mit selbst konstruierten Kameras filmt der junge Ingenieur die Verbrennungsprozesse im Innern eines Kolbenmotors. Die Aufnahmen gelingen durch Quarzglasfenster in der Zylinderwand. "Vor jeder Zündung musste das ganze Labor in Deckung gehen", erzählt Pischinger.

Das erste Resultat dieser Experimente ist ein Dieselmotor mit Kraftstoffdirekteinspritzung, den Pischinger für Klöckner-Humboldt-Deutz in Köln entwirft. Seit 1962 arbeitet er dort als Entwickler. Die Maschine wird in die Laster der Marke Magirus eingebaut, aber auch in Generatoren. Dank der neuen Technologie kommen die Motoren mit 20 bis 30 Prozent weniger Sprit aus.

Im Jahr 1970 wechselt Pischinger an die Universität. Er erhält den Lehrstuhl für Angewandte Thermodynamik der RWTH Aachen und lässt sogleich eine Laborhalle umbauen für 20 neue Motorprüfstände. Die honorige Hochschule soll zu einem Mekka für Konstrukteure werden.

Wenige Jahre später verwirklicht sich der Österreicher einen weiteren kühnen Traum: Er gründet die Forschungsgesellschaft für Energietechnik und Verbrennungsmotoren, FEV, ein privates Ingenieursbüro, das die Ergebnisse seiner Hochschularbeit weiterentwickelt und kommerzialisiert. Im öffentlichen Universitätsbetrieb können die wettbewerbssensiblen Verfahren nicht diskret genug auf die einzelnen Autobauer abgestimmt werden.

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