Freitag, 22. März 2019

Angriff auf die Datenkrake Wie die zunehmende Regulierung Googles Geschäftsmodell bedroht

Ende einer Erfolgsgeschichte? Google wird endlich böse
REUTERS

2. Teil: "One Trick Pony"

Bei der Marktkapitalisierung zog Microsoft Börsen-Chart zeigen Anfang Mai erstmals an Alphabet Börsen-Chart zeigen vorbei, die Google-Mutter zählte zeitweise nicht mehr zu den drei wertvollsten Konzernen der Welt. Den Vorwurf, ein "One Trick Pony" zu sein, kann Google trotz Milliardeninvestitionen in neue Produkte wie Cloud oder Pay nicht abschütteln.

Im zentralen Geschäft mit Onlineanzeigen verliert der Konzern erstmals Marktanteile. Google wächst zwar noch, aber das lange stabile gemeinsame Duopol mit Facebook Börsen-Chart zeigen entpuppt sich als bröselig. Großkunden wie Unilever Börsen-Chart zeigen klagen über die Qualitätsprobleme der Werbeprodukte oder boykottieren sie gleich ganz. Dazu kommt eine zweite Bedrohung: Amazon, das sein Werbegeschäft rasant ausbaut.

Hat das Erfolgsmodell Google seine besten Zeiten hinter sich?

Nach wie vor betreibt der Konzern die mit Abstand größte Suchmaschine der Welt, fällt in einem besonders wichtigen Segment aber immer weiter zurück: Mehr als 50 Prozent der US-Amerikaner gehen laut Marktforschern mittlerweile direkt zu Amazon Börsen-Chart zeigen, wenn sie online etwas kaufen wollen. Jeff Bezos' Anteil am Werbemarkt wächst auch deshalb so schnell, weil er als Onlinehändler genau weiß, was seine Kunden wünschen.

Googles Führungskräfte kommen ins Schwimmen, wenn man sie auf die Konkurrenz aus Seattle anspricht. Europa-Chef Matt Brittin (49) erzählt dann gern die Geschichte von einem Onlineshop für Dresdner Christstollen, der dank Google Kunden in China habe. "Wir helfen auch kleinen Unternehmen, wettbewerbsfähig zu werden und zu bleiben", sagt Brittin. Klingt nett - und ziemlich beliebig.

Manche Analysten prophezeien Amazon schon für 2020 einen Werbeumsatz in Höhe von gut 20 Milliarden Dollar. 2017 waren es gerade mal 3 Milliarden. Google, das zuletzt 95 Milliarden Dollar mit Anzeigen erlöste, ist mit Abstand Marktführer, wächst aber viel langsamer. Auch im Videobereich greift Amazon an und will Prime- oder Fire-TV-Kunden Werbeclips à la YouTube servieren.

Für Google, das schon bei den Zukunftsgeschäften Cloud und Sprachassistenten hinter Amazon zurückfiel, wäre ein weiterer Rückschlag hart. Jahrelang verkaufte man Anzeigen mit dem Argument, Menschen genau in dem Moment damit zu berieseln, in dem sie kurz vor einem Kauf stehen. Das trifft auf immer weniger Branchen zu.

In seinem Kerngeschäft geriet der Riese aus Mountain View zuletzt immer wieder in die Defensive. Etliche Anzeigenkunden des Google-Netzwerks DoubleClick erreichten 2017 Betrugsprogramme (sogenannte Bots) statt wirklicher Menschen. Werbefilmchen auf YouTube wurden zum Teil zwischen Gewaltvideos eingespielt oder zierten Inhalte für Pädophile. Der Handelsriese Procter & Gamble Börsen-Chart zeigen stoppte daraufhin seine Anzeigen für mehr als ein Jahr, auch Audi Börsen-Chart zeigen und Nestlé Börsen-Chart zeigen beteiligten sich an einem Boykott.

Facebook, das zuletzt mit vergleichbaren Problemen zu kämpfen hatte, musste indes eindeutig mehr Kritik einstecken. Google verharrte gekonnt im Windschatten. Ein paar Wochen vor der I/O-Konferenz war CEO Pichai im Zuge des Skandals um Cambridge Analytica nur knapp einer Befragung im Kongress entgangen. Zur Rechenschaft wurde nur Facebook-CEO Mark Zuckerberg gezogen. Im Gedächtnis blieb - wieder mal - der autistisch wirkende Zuck.

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