Freitag, 15. Dezember 2017

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So gleichförmig sind deutsche Gründer Deutschland fehlt ein Elon Musk

Deutsche Gründer vs. US-Visionäre: Samwer ist kein Musk
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Reuters; DPA

Wenn Luca (20), Vincent (22) und Jerome (22) vom "Gründen" sprechen, klingen sie wie Teenager, die von einer Fußballerkarriere träumen. In ihren Erzählungen kommen Idole vor (Samwer, Zuckerberg), Lieblingsklubs (Rocket Internet, "das Valley") und sogar vermeintliche Ideale (für "impact" sorgen, "Work-Life-Balance" verbessern).

Die drei Bachelorstudenten der Universität St. Gallen (HSG) sitzen in der Frühlingssonne auf dem Campus und schwärmen vom letzten "Hackathon" und "steilen learnings". Auch wenn ihnen die zündende Idee noch fehlt, scheint es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis sie ihr erstes Start-up aus der Taufe heben. Schließlich kann man mit dem Gründen ja gar nicht früh genug anfangen.

Das Leben als Unternehmer, das den dreien vorschwebt, schillert hell: Es verspricht Reichtum, Sinn und Ruhm. Da sei es schon erstaunlich, dass bei einigen Kommilitonen immer noch "der Beraterfilm läuft", sagt Luca abschätzig. "Das erfüllt einen doch nicht." Vincent und Jerome nicken. Luca ist im dritten Semester, er trägt Hemd und Sakko. Früher hat man sich so einen künftigen Berater vorgestellt.

65 Prozent
der Unternehmensberater nehmen Start-ups zunehmend als Konkurrenten um Toptalente wahr.

Quelle: Odgers Berndtson Consulting Monitor 2015
Die HSG ist eine der angesehensten Wirtschaftsuniversitäten im deutschsprachigen Raum. Commerzbank-Chef Martin Blessing hat hier studiert, bevor er bei McKinsey startete, und Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner, bevor er bei Goldman Sachs anheuerte. Heute regiert auf dem Rosenberg der "Hipsterpreneur", sagt Dietmar Grichnik, der in St. Gallen Unternehmertum lehrt. Als Rocket-Internet-Vorstand Alexander Kudlich an seiner Alma Mater Mitte März Personal anwarb, wurde er von den Studenten wie ein Star umschwärmt.

Ob an der EBS in Oestrich-Winkel oder der WHU in Vallendar (beide privat), wo Oliver Samwer einst Buchführung paukte, es zeigt sich überall das gleiche Bild: An deutschen Business Schools ist "Gründer" zum neuen Sehnsuchtsberuf avanciert. Immer mehr Absolventen, die noch vor ein paar Jahren von einer Karriere als Berater oder Banker träumten, zieht es inzwischen in die lässigen Hinterhofbüros von Berlin-Mitte.

Die Folgen des Sinneswandels: Den Consultants und Banken gehen allmählich die Talente aus, während die deutsche Gründerszene zunehmend dominiert wird von privilegierten Eliteabsolventen, für die Unternehmertum vor allem das Erkennen von Märkten und das Befüllen von Excel-Tabellen ist.

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