Dienstag, 11. Dezember 2018

Das besondere Näschen des John Malone Der bessere Buffett

Geldanlage: Der bessere Buffett
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John Malone schaffte in den vergangenen 38 Jahren mehr Rendite als Warren Buffett. Im Kampf gegen Amazon setzt er auf Tech-Nischen und Events.

Die folgende Geschichte stammt aus der Januar-Ausgabe 2018 des manager magazins, die Ende Dezember erschien. Wir veröffentlichen sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Das Auditorium im Times Center in Midtown Manhattan ist bis auf den letzten Platz besetzt. Fast 400 Investoren und Analysten sind Mitte November zum Investor Day von Liberty Media gekommen, um einen 76-Jährigen im grauen Anzug zu sehen, der unbeweglich in seinem Sessel auf der Bühne ruht wie eine alte Spinne in ihrem Netz - und sich an seinem jüngsten Fang erfreut. "Der Formel-1-Deal ist ein großartiges Beispiel für kreative Finanzierung", sagt John Malone. Liberty Media habe die Kontrolle über eine Sportikone erhalten, ohne viel Geld dafür auszugeben. Das Geschäft sei schlecht geführt worden, was er nun ändern werde. Fette Beute.

Malone ist bekannt und berüchtigt als der weltgrößte Kabelmogul. Doch diese Beschreibung wird ihm nicht gerecht. Er ist mehr, viel mehr. Der Mann zieht die Fäden in einem Geflecht aus einem Dutzend börsennotierter Gesellschaften, von denen viele irgendwas mit Liberty heißen. Der Rest des Namens wechselt häufig mal.

Sein Flaggschiff Liberty Media taufte Malone im Herbst 2016 in Liberty Formula One um. Zuvor hatte er mehrere separate Börsenfirmen abgespalten, wie es so seine Art ist. Wer am 28. März 1991 die erstmals unter diesem Namen gelistete Liberty Media gekauft und alle Spin-offs behalten hätte, säße heute auf mehr als 20 Börsentiteln.

"Einer der Vorteile einer irren Kapitalstruktur ist, dass wir jemanden kaufen können, der an die Börse gehen möchte, es aber nicht hinbekommt", sagt Malone. Einer, der es nicht hinkriegt, war aus Malones Sicht auch Formel-1-Impresario Bernie Ecclestone (87). Den selbstbewussten Briten beförderte er bereits wenige Monate nach der Übernahme ins Off. Als Berater des Boards sei er jetzt "so hoch oben, dass ich nichts mehr sehe, wenn ich runterschaue", ätzte Ecclestone. Worin seine Beratertätigkeit bestehe? "Weiß ich nicht, sie haben mich nie gefragt." Statt Ecclestone managen nun Profis die Formel 1.

Der andere Grund für die fast zwei Dutzend Börsenlistings in Malones Reich: "Wir mussten die Sachen aufspalten, um Unternehmenssteuern zu vermeiden", gesteht seine rechte Hand Greg Maffei.

Superinvestoren: Rendite pro Jahr, in Prozent
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Der Nachteil des kaum noch überschaubaren Firmengewirrs: Anders als Investorenlegende Warren Buffett kann Malone nicht so leicht Kapital zwischen seinen Firmen verschieben. Und er bekomme nicht die gebührende Anerkennung als Investor, sagt Vermögensverwalter Patrick Brennan, der viel Geld in Malone-Unternehmen gesteckt hat. "Wenn Liberty ein Konglomerat wäre wie Berkshire Börsen-Chart zeigen, wäre es eines der größten Techunternehmen der Welt, aber weniger attraktiv für Anleger", meint Brennan. "Denn bei Malone ist weniger mehr." Weniger Größe, weniger Steuern, mehr Rendite.

Die an Wahnsinn grenzende Kreativität bei der Finanzierung und den Geiz beim Steuerzahlen kombiniert Malone mit einem geradezu beängstigenden Gespür für unterbewertete, skalierbare Geschäftsmodelle. Das Ergebnis: In knapp 40 Jahren hat er seinen Investoren mehr Rendite geliefert als Buffett. Mit dem TV-Kabelnetzbetreiber Tele-Communications Inc. (TCI) aus Denver schaffte der Elektroingenieur und Ex-McKinsey-Berater von 1973 bis 1998 (Verkauf an AT & T) phänomenale 30,3 Prozent pro Jahr. Der US-Leitindex S&P 500 brachte in der Zeit nur halb so viel Gewinn. Hedgefondsmanager William Thorndike zählt Malone in seinem Buch "The Outsiders" zu jenen acht CEOs (neben Buffett), die langfristig mehr Rendite erzielten als GE-Legende Jack Welch.

Selbst unter den Outsidern ist Malone ein Außenseiter: Nur ihm gelang es, nach dem Verkauf seines Lebenswerks noch mal neu anzufangen. Nach dem AT&T-Deal schuf er Liberty Media. Das Techportfolio ließ die Konkurrenz erneut weit hinter sich. Wer 2003 Liberty-Media-Aktien erwarb, hat seither 13 Prozent Rendite pro Jahr erzielt. Buffetts Berkshire Hathaway Börsen-Chart zeigen schaffte nur gut die Hälfte: 7,5 Prozent.

"John Malone ist einer der besten Investoren der Welt", sagt Chris Hohn, Gründer des Hedgefonds The Children's Investment (abgekürzt wie Malones Firma: TCI). Von Unkundigen wird Malone dagegen immer noch verkannt als Raider und Steuervermeider - im Gegensatz zum Orakel aus Omaha, das bei Deals indes auch nie mehr Steuern zahlt als nötig.

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