Freitag, 24. November 2017

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Geldanlage für Hedonisten Investition in den 100-Millionen-Dollar-Mann

The Estate of Jean-Michel Basquiat / VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Jean-Michel Basquiat ist in die Hall of Fame der modernen Kunst aufgestiegen.

Es ist nun also passiert. Jean-Michel Basquiat, 1988 mit nur 27 Jahren an einer Überdosis Heroin gestorben, ist in den Olymp der 100-Millionen-Dollar- Künstler aufgestiegen. Sein 1982 entstandenes Werk "Untitled" wurde Mitte Mai für 110,5 Millionen Dollar bei Sotheby's in New York versteigert. Damit spielt Basquiat preislich in der gleichen Liga wie Francis Bacon, Alberto Giacometti, Pablo Picasso und Andy Warhol.

Roman Kräussl
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    Roman Kräussl ist Ökonom und forscht über Alternative Investments an der Luxemberg School of Finance und in Stanford.

Gekauft hat das Bild Yusaku Maezawa, der 41-jährige Gründer des japanischen Onlinehandelsgiganten Start Today. Im Auktionskatalog stand "Untitled" mit 60 Millionen Dollar. Doch Maezawa trieb den Preis binnen zwölf Minuten über die 100-Millionen-Schwelle. Den Kauf verkündete er per Instagram, in den kommenden Monaten will er seine Beute auf Welttournee schicken. Im Ranking der höchsten je bei Auktionen erzielten Preise reiht sich das Kunstwerk auf Platz acht ein. Vor der Versteigerung galt das Bild als nahezu unbekannt. Seit dem ersten Verkauf hing es hinter verschlossenen Türen in der privaten Sammlung des Ehepaars Emily und Jerry Spiegel. Sie hatten es 1984 bei Christie's für nur 19¿000 Dollar erworben. Das entspricht einem Total Return von 581.514 Prozent oder 30 Prozent jährlich. Was für eine Rendite!

Das Werk ist vermutlich das beste ohne Schulden gehebelte Investment der vergangenen 33 Jahre. Da kann jeder Hedgefonds einpacken. War das Auktionsergebnis nun ein irrationaler Ausrutscher nach oben oder in seinem Ausmaß absehbar? Die Antwort: Es war zu erwarten. Basquiat ist eine Trophäe, die jeder vermögende Sammler bei sich hängen haben will. Im Kunstindex des manager magazins habe ich ihn zuletzt auf Rang zwei bei den Turn-around-Kandidaten gesetzt. Im Gegensatz zu anderen Künstlern drohten ihm trotz geplatzter Blase keinerlei Preiseinbrüche.

Dürfen Sammler bei Basquiat also auch künftig mit so hohen Wertzuwächsen rechnen? Da rate ich zur Vorsicht. Er wird nicht abstürzen, ist aber jetzt schon ziemlich teuer, selbst für die Klasse der Superreichen. Wer im Windschatten des Meisters vom Comeback des Kunstmarktes profitieren möchte, sollte lieber auf David Hockney und Sterling Ruby setzen.

© manager magazin 7/2017
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