Sonntag, 16. Dezember 2018

Geldanlage für Hedonisten Ein Mercedes für Geld und Gemüt

Nach oben offen: Die Roadster steigen stärker im Preis als Flügeltürer

Wer vor 40 Jahren einen Mercedes 300 SL erwarb, hat sein Investment mehr als verfünfzigfacht.

Dieses Auto weckt bei vielen Oldtimersammlern dieselben Gefühle wie eine für immer verlorene Liebe, um die sie sich einst nicht genug bemüht haben - der sie seitdem aber fast täglich nachtrauern: der Mercedes-Benz 300 SL, als Flügeltürer und als Roadster einer der Vorzeigesportwagen der 50er und frühen 60er Jahre. Stars wie Steve McQueen, Anita Ekberg oder Herbert von Karajan zeigten sich gern in dem Supersportwagen aus Sindelfingen.

Bruno von Rotz
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    Bruno von Rotz, Ex-Berater und Informatiker, ist Chefredakteur von Zwischengas, dem größten Onlinearchiv für Oldtimer. www.zwischengas.com

Neu kosteten sie etwa so viel wie ein Einfamilienhaus, gebraucht verloren sie wie andere Autos schnell an Wert. Noch in den 60ern bekam man einen 300 SL für eine vierstellige (Dollar-)Summe.

Die Zeiten sind lange vorbei. Die Autos, von denen immerhin mehr als 3000 Stück gebaut wurden, überschreiten bei Versteigerungen seit Jahren die Millionenschwelle. Viele Sammler, die ich kenne, ärgern sich bis heute, dass sie den Wagen in den 70er Jahren nicht erworben haben. Ihr Einsatz hätte sich verfünfzig- bis verhundertfacht.

Für Classic-Car-Anleger mit dem nötigen Kapital hat das Modell auch jetzt noch Potenzial. Zwar wurde 2016 hier und dort über Preisrückgänge bei Verkäufen gemunkelt. Doch die Daten widerlegen das eindeutig. Der Marktwert liegt laut Classic Data bei 1,1 Millionen Euro für einen Flügeltürer im Zustand 2, was einem gut gepflegten Neuwagen nach ein oder zwei Jahren entspricht. Der Roadster wird auf 920.000 bis 950.000 Euro taxiert.

Bei Versteigerungen werden diese Preise häufig übertroffen. Der durchschnittliche Auktionspreis eines Flügeltürers betrug 2017 sogar 1,16 Millionen Euro, beim Roadster waren es 1,07 Millionen. Der häufiger gefertigte Roadster stieg zuletzt sogar schneller im Wert als der deutlich unbequemere Flügeltürer.

Der Wagen wird immer begehrter: 2017 fanden 77 Prozent aller bei Auktionen angebotenen 300 SL einen Käufer oberhalb des geforderten Mindestpreises; im Jahr zuvor waren es noch 72 Prozent. Große Sammler wie der US-Modemagnat Ralph Lauren oder der Rennfahrer Mohammed bin Sulayem aus Dubai haben einen 300 SL in ihrer Garage stehen. Der Boom bei den Prunkstücken dürfte also weitergehen.

© manager magazin 12/2017
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