Mittwoch, 19. September 2018

Geldanlage für Kopfmenschen: die Suruga Bank Zuschlagen und abwarten

Bloomberg via Getty Images

Die japanische Suruga Bank hat ein Problem. Eine gute Gelegenheit, einzusteigen.

Als Value Investor verhalte ich mich wie ein Jäger - ich warte mit viel Geduld auf den richtigen Moment und schlage dann zu. Die Suruga Bank aus Japan ist für mich so etwas wie die perfekte Beute.

10 Prozent
auf das Eigenkapital warf Suruga jahrelang mindestens ab.

Das Geldhaus ist zeitgemäß aufgestellt, hat einen guten Ruf und wächst seit etwa 15 Jahren sehr gleichmäßig. Besonders reizvoll ist für mich die Relation von Börsen- zu Buchwert. Meine Faustformel bei dieser Relation ist schlicht: Eine Bank, die 5 Prozent Eigenkapitalrendite verdient, sollte etwa zur Hälfte ihres Buchwerts notieren. Ein Institut, das 20 Prozent abwirft, sollte an der Börse etwa das Doppelte seines Buchwerts auf die Waage bringen.

10 bis 13 Prozent verdiente der Suruga-Konzern jahrelang auf sein Eigenkapital und müsste deshalb mindestens beim 1- bis 1,3-Fachen des Buchwerts stehen. Tatsächlich aber liegt die Kennziffer bei 0,8. Mit anderen Worten: Für 80 Yen Börsenwert gibt es 100 Yen Substanz. Solange die Bank ihr Renditeniveau hält und die Gewinne thesauriert, wächst das Eigenkapital und damit die Gewinnbasis jedes Jahr um 10 Prozent.

Wo ist also der Haken? Das Suruga-Management hat sich einen Kreditskandal geleistet, der das Institut noch ordentlich Bußgeld kosten wird. Trotzdem wird Suruga 2018 vermutlich einen Gewinn ausweisen können.

Hendrik Leber
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    Hendrik Leber hat einen Blick für ungewöhnliche Geschäftsmodelle und findet seine Ideen oft außerhalb des Börsenmainstreams. Er gehört zu den renommiertesten Value-Investoren und Fondsmanagern der Republik.

Bei einem Skandal frage ich mich stets, ob es sich um ein systemisches (dann lasse ich die Finger davon) oder um ein einmaliges Problem handelt, das mit ein paar Entlassungen und Wertberichtigungen wieder verschwindet.

Letzteres scheint bei Suruga der Fall zu sein - die Aufregung entzündet sich an 750 Krediten von jeweils rund einer Million Dollar, bei denen die Beleihungswerte geschönt waren. Sobald diese Summen aus der Bilanz getilgt sind, sollte das Geldhaus wieder wachsen.

Eine gute Bank zu einem guten Preis zu finden, ist selten. Da braucht es manchmal schon einen Skandal. Sobald die Malaise verdaut und vergessen ist, könnte Suruga schnell wieder auf ihr historisches Bewertungsniveau zurückkehren. Das entspräche einer Verdoppelung des gegenwärtigen Kurses.

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