Samstag, 26. Mai 2018

Digitale Vorzeige-Unternehmen Game Changer in Deutschland

Produktion bei Infineon: Roboter Amor 3 im Reinraum im Einsatz

2. Teil: "Jeder kann die Spielregeln komplett verändern"

Die Preisträger stehen exemplarisch für die Überlegenheit digitaler Geschäftsmodelle. Eine Bain-Untersuchung von mehr als 400 Unternehmen ergab, dass diejenigen, die frühzeitig die interne Vernetzung vorantreiben, der analogen Konkurrenz in der Regel um Längen voraus sind. Der Studie zufolge ist die Wahrscheinlichkeit, zu den bestverdienenden Anbietern der Branche zu gehören, bei digitalisierten Firmen doppelt so hoch wie bei analog arbeitenden Konkurrenten.

Die Chance, wichtige Entscheidungen schneller zu treffen als die Wettbewerber, ist sogar fünfmal größer. Und die Wahrscheinlichkeit, dass eine Entscheidung auch zum gewünschten Ergebnis - also zu einem Wettbewerbsvorteil - führt, ist dreimal so hoch wie bei Rivalen, die noch nicht auf Industrie 4.0 umgestellt haben. "In der digitalisierten Welt spielt es keine Rolle mehr, ob man Start-up, Mittelständler oder Großkonzern ist", sagt Sinn. "Jeder kann mit einem disruptiven Ansatz die Spielregeln innerhalb einer Branche komplett verändern."

Dem trägt auch der Game Changer Award Rechnung. Anders als bisher richten sich die Preiskategorien nicht mehr nach der Unternehmensgröße, sondern nach der Art der Innovation. In diesem Jahr wird jeweils ein Unternehmen ausgezeichnet, das den Kundennutzen am nachhaltigsten gesteigert hat (Customer Experience), das mit einem neuartigen Produkt oder einer Dienstleistung den Markt verändert (Product & Service Innovation) und das neue Maßstäbe durch die Digitalisierung seiner Prozesse gesetzt hat (Operations of the Future). In jeder Kategorie mussten sich die Kandidaten einem harten Auswahlprozess sowie dem Votum einer Expertenjury stellen.

Dass es mit Bosch, Siemens Börsen-Chart zeigen, der Deutschen Telekom Börsen-Chart zeigen oder dem Fotodienstleister Cewe Börsen-Chart zeigen diesmal viele Unternehmen aus der vordigitalen Ära in die Finalrunde schafften, zeigt, dass Disruption und Tradition kein Widerspruch sein müssen - obwohl gerade viele große Mittelständler sich mit der Umstellung auf Industrie 4.0 nach wie vor schwertun (siehe mm 6/2016).

Dass es möglich ist, die klassische Industrieproduktion in ein neues Zeitalter zu katapultieren, beweist nicht zuletzt Hero, der kleine Roboter in Dresden. Seine Laufwege orientieren sich an denen seiner menschlichen Vorgänger, die Anordnung der Produktion wurde trotz Digitalisierung nicht verändert. Das wäre zu teuer gewesen. "Ich glaube, dass in der intelligenten Nachautomatisierung ein Riesenpotenzial für den Standort Deutschland liegt", sagt Infineon-Chef Reinhard Ploss. "Dafür braucht man Meister, Techniker und Ingenieure, und die haben wir in unserem Land."

Beste Voraussetzungen also für eine Aufholjagd in Sachen Digitalisierung. Die Mission ist machbar, das beweisen nicht zuletzt die diesjährigen Preisträger. Klar ist aber auch: Allzu viel Zeit sollte sich niemand mehr lassen.

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© manager magazin 12/2016
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