Dienstag, 31. Mai 2016

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Führung Deutschlands härteste Arbeitgeber

Führung: Harte Hunde - von Willy Bogner bis Erwin Müller
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DPA

Sie drangsalieren Mitarbeiter, sind kontrollwütig und unflätig - trotzdem haben sie Erfolg. Ein Report aus dem Milieu herrschsüchtiger Patrons, denen die Generation Y herzlich egal ist.

Hamburg - Als die Möbelkette XXXLutz vor einiger Zeit zu einem ihrer "Weltkongresse" lud, glich die Szene eher einer Sektenzusammenkunft als dem Treffen von Managern eines Milliardenunternehmens: Männer mit hochgekrempelten Hosenbeinen liefen barfuß über glühende Kohlen, ein Geschäftsführer faselte von einer Crew, mit der er "zum Mond fliegen" könne. Mehr als tausend Führungskräfte wurden bei dem beinahe sakralen Event in Linz auf eine Mission eingeschworen: "Mit der Sonne im Herzen zur Nummer eins der Welt."

XXXLutz, das sind die Brüder Andreas und Richard Seifert, die den 1945 von ihren Eltern in einem oberösterreichischen Dorf gegründeten Möbelhandel an die Weltspitze führen wollen. Ihr Ziel: Primus Ikea schlagen. Die Österreicher expandieren aggressiv, allein in Deutschland betreiben sie fast 60 Einrichtungshäuser. Mit rund 2,9 Milliarden Euro Umsatz rangiert Lutz nach eigenen Angaben bereits auf Platz zwei hinter Ikea, die Rendite ist zweistellig.

Für den schwierigen Möbelmarkt sind das grandiose Zahlen. Erkauft werden sie mit bedingungsloser Härte: Der Konzern arbeitet mit einem System aus mehr als hundert Subgesellschaften. Das Personal ist fast vollständig in Servicefirmen ausgelagert. Deren einziger Kunde ist meist eine andere Servicegesellschaft. So können Filialen bei Bedarf rasch abgewickelt und Betriebsräte verhindert werden.

Lutz-Brüder fürchten die "Wiederauferstehung des Kommunismus"

In Deutschland, monieren Gewerkschafter, zahle Lutz meist unter Tarif. Wo die Möbelbrüder aufschlagen, wird nicht selten die Belegschaft geschrumpft oder neuen Mitarbeitern das Urlaubs- und Weihnachtsgeld verwehrt. Manche Managerverträge weisen Wochenarbeitszeiten von bis zu 50 Stunden auf. Die Geschäftsführung wird teils im Jahresrhythmus neu bestückt.

Kritik pariert Inhaber Richard Seifert patzig. Wenn Gewerkschaften und andere Bedenkenträger nicht in die Schranken verwiesen würden, schrieb er in einem offenen Brief an die Zeitschrift "Möbel Kultur", stünde am Ende "die Wiederauferstehung des Kommunismus".

Es gibt sie also noch, die harten Hunde, die jeglichen Wohlfühlklimbim aus ihren Unternehmen verbannen. Statt die empfindliche Generation Y mit Sabbaticals, flachen Hierarchien und gefühlvollem Feedback zu betören, herrscht bei Autokraten wie den XXXLutz-Brüdern, bei einem Reinhold Würth oder einem Erwin Müller bisweilen gnadenloser Darwinismus.

Da werden Mitarbeiter geknechtet, gestandene Führungskräfte wie Socken gewechselt. Wer performt, steigt auf. Wer nicht, der fliegt.

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