Samstag, 23. Februar 2019

Führung Deutschlands härteste Arbeitgeber

Führung: Harte Hunde - von Willy Bogner bis Erwin Müller
DPA

6. Teil: Erich Sixt: Krank heißt verdächtig

Ein gewisser Härtegrad scheint dem Geschäft durchaus bekömmlich - trotz fragwürdigen Stils, wie ihn auch Erich Sixt pflegt. Mit 1,7 Milliarden Euro Umsatz ist seine Autovermietung unangefochten deutscher Marktführer, die Aktienrendite inklusive Dividende betrug in fünf Jahren 40 Prozent.

Dabei ist das Firmen- und Familienoberhaupt mit "schwierig" noch zurückhaltend beschrieben: Detailwut, unflätiges Benehmen ("Sixt spricht nicht, er bellt", sagt ein Ehemaliger), Anwürfe in Vorstellungsgesprächen. Die schrillen Werbesprüche denkt sich Sixt oft selbst aus, sogar die Bestellung eines Druckers zeichnet er zuweilen persönlich ab.

Die Verweildauer von Führungskräften in Pullach liegt deutlich unter dem Branchenschnitt. Gernestreiter Sixt nimmt Gerichtsprozesse in Kauf, Kündigungsfristen scheinen für ihn kaum zu existieren. Wer nicht mehr ins Raster passt, muss nicht selten von einem Tag auf den anderen das Haus verlassen.

Sicherheitskräfte begleiten den Geschassten dann auch mal zu seinem Büro, damit er keine Geschäftsgeheimnisse klaut. Ein ehemaliger Finanzchef erfuhr an der Tiefgarage von seinem Rauswurf: Seine Zugangskarte funktionierte nicht mehr.

Zugeschnitten auf die Person an der Spitze

Zum üblichen Bild gesellen sich bei Sixt Börsen-Chart zeigen noch einige Farbtupfer der Schattierung "besonders rüde": Wer länger krank ist, macht sich verdächtig; Überstunden wurden bei Sixt Leasing lange Zeit zum Monatsende auf null gesetzt - ohne Ausgleich.

Wahrhaftig, keine Oase für die zarte Generation Y, die wertgeschätzt werden will, flexible Arbeitszeiten einfordert und genug Zeit für Familie und Freunde haben möchte. Ansprüche, die Zausel wie Sixt oder Müller nur begrenzt erfüllen, ebenso wenig wie mancher Vorgesetzte in der Webwirtschaft. Ausgerechnet die Topspieler dort kommen ähnlich hartgesotten daher wie ihre unternehmerischen Vorgänger in der Old Economy. Sicher, da gibt es mal einen Kickertisch und auf Krawatten wird verzichtet, doch die Erwartungen sind hoch, die Chefs kaltblütig.

Und noch eines eint die harten Arbeitgeber der alten wie der neuen Wirtschaft: Sie sind zugeschnitten auf die Person an der Spitze. Beispiel Apple Börsen-Chart zeigen : Obwohl der Vordenker des Kultkonzerns, Steve Jobs, vor drei Jahren starb, ist die Kultur, die er prägte, lebendiger denn je. Entsprechend glücklich war Claas Ullstein (Name geändert), als er bei Apple Börsen-Chart zeigen einsteigen durfte.

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