Mittwoch, 20. Februar 2019

Führung Deutschlands härteste Arbeitgeber

Führung: Harte Hunde - von Willy Bogner bis Erwin Müller
DPA

3. Teil: Obermelker Theo Müller: Patriarchaler Geltungszwang

Auch im Konzernkosmos mag es ausgewiesene Rabauken geben, wie den genialen Ferdinand Piëch bei Volkswagen, der mit Daumen hoch oder runter über Karrieren und Milliarden entscheidet.

Nur: Ohne Charisma und Instinkt kommt man im Konzern nicht weit. Axel Heitmann, den sie bei Lanxess Börsen-Chart zeigen "Cäsar" nannten, stürzte über seine Selbstherrlichkeit; Wolfgang Dehen steuert Osram Börsen-Chart zeigen im Kasernenhofton - aber erfolglos.

Zumeist jedoch schleift die durchregulierte Corporatewelt die schlimmsten Persönlichkeitskanten früh ab. Das natürliche Biotop der schrulligen Monarchen ist der inhabergeführte Mittelstand. Eine Welt, in der etwa beim Modehersteller Bogner regelmäßig Marketingmanager verzweifeln, weil Willy Bogner, Inhaber und gelernter Skirennläufer, mal wieder alles besser weiß. "Sie haben ihre Firmen über Jahrzehnte hinweg groß gemacht und kennen jeden Stein, sodass sie durch ihr Herrschaftswissen sehr stark im Detail führen können", erklärt Headhunter-Altmeister Dieter Rickert den patriarchalen Geltungszwang.

Für Manager von außen wird diese Konstellation regelmäßig zum Höllentrip: "Firmeninhaber halten es nicht aus, wenn andere neben ihnen erfolgreich sind", sagt Managementexperte Fredmund Malik. "Sie schaffen es oft nicht, ihre Führungskräfte stark zu machen."

Obermelker Theo Müller: Die Post wird vorsortiert

Manchmal begreifen sie auch gar nicht, wie ihr Tun ihre besten Manager ausbremst. Legendär ist die Geschichte von Müllermilch, wo sich Obermelker Theo Müller einst ein Sekretariat teilte mit Franz Josef Doll, dem damaligen Vorsitzenden der Geschäftsführung. Alle Post landete auf Müllers Schreibtisch, nach Lektüre entschied er, welcher Vorstand welchen Brief lesen sollte. Doll passte das nicht, also kam er eine halbe Stunde vor Müller ins Büro. Woraufhin wiederum Müller eine halbe Stunde eher auftauchte. Am Ende waren beide so früh am Schreibtisch, dass die Post noch gar nicht da war. Doll warf hin, Müller stand mal wieder ohne Kronprinz da.

Gerade wenn ein Nachfolger aufgebaut werden müsste, schlagen derlei Scharmützel ins Tragische um. Etwa bei der mittelhessischen Friedhelm Loh Group, die unter anderem Schaltschränke herstellt. Inhaber Loh, Lehre als Starkstromelektriker, BWL-Studium auf dem zweiten Bildungsweg (ohne Abschluss) und streng religiös, hat sein Büro mit Bibelsprüchen durchdekoriert - und agiert auch sonst am liebsten im Gottmodus. Er weiß alles besser, mischt sich überall ein; wenn Headhunter ihm Topleute besorgen sollen, scheint ihm keiner gut genug, er lehnt Kandidaten reihenweise ab.

Anfang 2011 fand dann doch einer die Gnade des Herrn: Karl Christoph Caselitz wechselte von Nokia Siemens Networks als Vertriebschef zur wichtigsten Loh-Tochter Rittal. Gleichzeitig wurde er Lohs Stellvertreter - im Bewerbungsgespräch soll der Eindruck entstanden sein, er werde dem Alten einst nachfolgen. Doch Loh macht die Räume eng, und Caselitz ist zunehmend frustriert.

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