Freitag, 14. Dezember 2018

Moderne Mitarbeiterführung Management by Fernsteuerung

Freiheit, Agilität, Vertrauen: Drei Beispiele für neues Denken
Getty Images

2. Teil: Remote Leadership

Daimler-Lenker Dieter Zetsche lud in den vergangenen Wochen weltweit mehr als 140 Topleute ein, um die Führungskultur des Autoherstellers neu zu definieren. Unter dem Titel "Leadership 2020" postulierten sie Grundsätze wie Agilität oder Empowerment. Ein Vorhaben: verstärkt im Schwarm arbeiten. Nach und nach will der Vorstand die Ideen im Konzern ausrollen.

Werkzeugkasten
Welches Techniktool sich für welche Managementaufgabe eignet - eine kurze Gebrauchsanleitung
Infos austauschen
Über Podcast, Conference-Call oder E-Mail. Größere Dateien per Dropbox, Box, Google Drive oder interne Cloud senden.
Entscheidungen treffen
In Meetingsoftware (Skype for Business, WebEx) integrierte Miniumfragen nutzen.
Projekte managen
Kooperationssoftware wie Basecamp oder OneNote aktualisieren den Arbeitsstand automatisch, ermöglichen das gemeinsame Arbeiten an Dokumenten.
Feedback geben
Regelmäßige Einzelgespräche am Telefon oder per Videocall. Kommentare vom Team per Chat oder Poll einholen.
Aufgaben verteilen
To-do-Listen im virtuellen Meeting erstellen, für die sich die Teammitglieder selbst eintragen oder per Chat melden.
Teambesprechung
Via Skype for Business, WebEx, GoToMeeting.
Konferenzen
Moderierte Telefonkonferenz, Video nur bei großer Bandbreite. Themen auf elektronischem Whiteboard strukturieren.
Teamgeist stärken
Über Facebook-artige Tools wie Slack Fotos oder Privates teilen. Gemeinsame WhatsApp-Gruppe für persönliche Nachrichten im Team. Buddy-System einführen. Auch mal live feiern.

Vorreiter beim digitalen Führen ist SAP Börsen-Chart zeigen. Vorstandschef Bill McDermott will all seinen 84.000 Mitarbeitern ermöglichen, sich mit Smartphone und Laptop einzuklinken: "So können sie von jedem Ort der Welt einen wertvollen Beitrag zum Erfolg leisten und gleichzeitig Arbeit und Leben in gesundem Gleichgewicht halten."

Um das neue Führungsprinzip umzusetzen, hat der Konzern in den vergangenen zwei Jahren rund 8000 Manager weitergebildet. Sie sollen ein Vertrauensverhältnis zu ihren Mitarbeitern aufbauen. Deshalb geben sie ihnen künftig nicht mehr einmal im Jahr Ziele vor, sondern kontinuierlich. Das permanente Feedback bildet die Grundlage für Boni und Beförderungen.

Der Remote-Pionier SAP hat erkannt, dass der Kunde bei komplexen Projekten je nach Phase andere Experten verlangt. Divers und international müssen die Arbeitsgruppen sowieso sein, um den unterschiedlichen Kundengeschmäckern vor Ort zu entsprechen. Immer häufiger werden auch externe Spezialisten oder Zulieferer miteinbezogen. Anders ist das schnelle Entwickeln innovativer Lösungen, überlebenswichtig in der digitalen Welt, gar nicht mehr möglich.

Nicht nur die Kunden profitieren von Remote Leadership. Seit bei SAP der neue Führungsstil herrscht, stieg die Mitarbeiterzufriedenheit um 3 Punkte auf 85 Prozent. Glückliche Menschen arbeiten besser, das belegen viele Studien. Angestellte, die ihren Arbeitsplatz frei wählen, sind laut einer Erhebung des US-Magazins "Inc." rund 20 Prozent produktiver als ihre am Schreibtisch festgetackerten Kollegen. Die begehrten Digitaltalente lassen sich mit festen Bürojobs ohnehin nicht mehr locken.

Allein im Management tun sich viele noch schwer mit dem Wandel. Insbesondere altgediente Würdenträger leiden unter dem Verlust an Macht, den virtuelle Teams mit sich bringen. Das Höfische kommt abhanden.

Doch das Festhalten an alten Ritualen ist keine Option mehr, es kann schnell zum Karrierekiller werden. "Wer heute keine Erfahrung im Führen global verteilter Teams mitbringt, hat keine Chance mehr auf eine Spitzenposition", sagt Linda Becker, geschäftsführende Gesellschafterin der Personalberatung LAB & Company. Von modernen Managern werde neben einem vernetzten Führungsstil ein "feines Gespür für das Menschliche" verlangt.

Mentalität anpassen, neue Managementmethoden erlernen und die richtigen technischen Tools beherrschen - so beschreibt Alexandra Altmann den Weg zum Remote Leader, den sie mit ihrem Beratungsunternehmen Virtuu weist.

© manager magazin 3/2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH