Samstag, 18. November 2017

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Friedrich Liechtenstein über Musik in Zeiten von Spotify "Plattenspieler sind Lagerfeuer aus Klang"

Friedrich Liechtenstein (61), Berliner Künstler und Musiker ("Supergeil"), schreibt hier über Musik in Zeiten von Spotify
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Friedrich Liechtenstein (61), Berliner Künstler und Musiker ("Supergeil"), schreibt hier über Musik in Zeiten von Spotify

Im mm-"Style Council" schreiben Menschen mit Stil über Fragen des guten Geschmacks. Diesmal der Berliner Künstler und Musiker ("Supergeil") Friedrich Liechtenstein (61).

Ich liebe Musik, sie ist die schönste Kunst und auch die grausamste. Sie dringt durch alle Ritzen, soll uns die Angst nehmen, das Warten versüßen, uns zu Patrioten machen und unseren Dünkel nähren. Und sie soll reich machen, im monetären wie im emotionalen Sinne. Das wissen Sie natürlich alles, ich wollte nur rasch daran erinnern.

Ich habe mich für Vinyl entschieden bei gleichzeitiger digitaler Berieselung."

Friedrich Liechtenstein

Ich selbst bin auch Musiker, wenn ich also Musik höre, dann nie unschuldig. Weil ich zugleich Flaneur bin und vor allen Dingen jemand ohne nennenswerten Besitz, habe ich natürlich weder Schallplatten noch eine CD-Sammlung und auch keine hochwertige "Anlage". Ich schätze allerdings Menschen mit gutem Musikgeschmack, Privatpartys mit einem Plattenspieler und Soundfetischisten in dunklen Höhlen.

Befreundeten Hoteliers in Bad Gastein schenkte ich einmal einen kleinen Plattenspieler, um den herum sich die Gäste versammelten und andächtig einem unserer Alben lauschten. Wir saßen um eine Art Lagerfeuer aus Klang.

Zur Ironie des Musikgeschäfts gehört es, das die viel gepriesene Haltbarkeit der CDs ein leeres Versprechen war und dass stattdessen die digitale Musik in Wolkenschlössern wächst und wächst, ohne nennenswerte Einnahmen für die Urheber. Das totgesagte Vinyl immerhin hält sich tapfer und bewahrt die Musik bis zu 50 Jahre.

Ich habe mich daher für Vinyl entschieden bei gleichzeitiger digitaler Berieselung. Einerseits laufen bei mir Jazzradio und andere digitale Angebote über den Laptop, andererseits bin ich gern in den Soundräumen von Klubs und Bars, um dort Anregungen zu finden. Am liebsten höre ich Musik im Auto, das ist für mich der perfekte Ort, ich setze mich dort intensiv mit den Texten und Stimmungen auseinander.

In den nächsten Tagen besuche ich Mousse T. in der Toskana. Wir werden ein wenig durch die Gegend fahren, die Landschaft genießen, über Musik reden und Musik hören.

© manager magazin 5/2017
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