Freitag, 28. April 2017

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Googles Chef-Innovator über Firmenkultur "Mit einem Fußballkicker ist es nicht getan"

Frederik Pferdt: Der promovierte Wirtschaftspädagoge vom Bodensee ist Chief Innovation Evangelist bei Google, lehrt in Stanford und berät UN-Institutionen in Genf. Der Vater von drei kleinen Kindern bewundert deren Neugier und Vorstellungskraft.
Corbis via Getty Images
Frederik Pferdt: Der promovierte Wirtschaftspädagoge vom Bodensee ist Chief Innovation Evangelist bei Google, lehrt in Stanford und berät UN-Institutionen in Genf. Der Vater von drei kleinen Kindern bewundert deren Neugier und Vorstellungskraft.

Der Deutsche Frederik Pferdt ist beim kalifornischen Wissensgiganten Google für die Innovationen zuständig. Und die lassen sich über die Umgebung steuern, sagt er.

Die folgende Geschichte stammt aus der Ausgabe 10/2016 des manager magazins, die Ende September erschien. Wir veröffentlichen Sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

mm: Herr Pferdt, Sie nennen sich Chief Innovation Evangelist. Braucht Google Börsen-Chart zeigen einen neuen Messias?

Frederik Pferdt: Mein Job ist, sicherzustellen, dass unsere Mitarbeiter Selbstvertrauen in ihre Kreativität finden, dass sie diese Kreativität ausleben und zugleich auch ihre Innovationsfähigkeit und ihren Erfindergeist nutzen, um neue Ideen auch in die Realität umzusetzen.

mm: Wie können Sie den Kollegen dabei helfen?

Pferdt: In unserem Unternehmensalltag versuchen wir, eine Kultur zu schaffen, in der Menschen glücklich sind und sich wohlfühlen.

mm: Glück ist ein großer Anspruch.

Pferdt: Absolut. Und auch ein sehr großes Ziel. Aber wir wollen unseren Leuten tatsächlich eine Umgebung bieten, in der sie sich glücklich fühlen, an etwas zu arbeiten, das Bedeutung hat, für sie selbst und den Rest der Welt. Innovation kann nicht verordnet werden, man muss sie gestalten. Und dazu bedarf es zuallererst der psychologischen Sicherheit.

mm: Psychologische Sicherheit bezogen worauf?

Pferdt: Jeder muss auch Fehler machen dürfen, ohne gleich seinen Job, seine Beförderung zu riskieren. Um neue Dinge auszuprobieren, muss man sich sicher fühlen, darf keine Angst haben, seine Meinung einzubringen. Genau das unterscheidet ein produktives, innovatives Team von einem nicht produktiven.

mm: Und dieses Gefühl lässt sich nur durch eine bestimmte Umgebung vermitteln?

Pferdt: Ja, Google etwa steht für Offenheit, Transparenz und optimistisches, spielerisches Denken. Und dazu bedarf es der entsprechenden physischen Umgebung. Mit einer Tischtennisplatte und einem Fußballkicker ist es nicht getan.

mm: Wie muss ein solches Anreizsystem denn gestaltet sein?

Pferdt: Bei Google haben wir beispielsweise ein Programm, das nennt sich Peer-Bonus-System. Jeder Mitarbeiter kann einem Kollegen einen Bonus von 100 Euro geben, wenn dieser Kollege mit seinen spezifischen Fertigkeiten dabei geholfen hat, eine Idee umzusetzen oder ein Projekt durchzuführen. Wir haben schnell gelernt, dass es gar nicht so sehr das Geld ist, das die Leute motiviert, sondern die Tatsache, dass sich diese Hilfe herumspricht und Kollaboration anerkannt wird.

mm: Dennoch steht am Anfang immer die Idee. Wie schaffen Sie es, im Alltag die Kreativität lebendig zu halten?

Pferdt: Keine Monotonie einkehren lassen! Wenn man immer an denselben Ort zurückkehrt, immer mit denselben Menschen spricht, bleiben auch die Denkweisen und Ideen immer dieselben. Andere Dinge tun, andere Orte besuchen, mit anderen Menschen sprechen, aus der Routine ausbrechen - das erzeugt Neues.

mm: Worauf haben Sie denn bei dem Campus der Google-Zentrale in Mountain View am meisten geachtet?

Pferdt: Die physische Umgebung ist die Körpersprache eines Unternehmens. Die kann geschlossen, zurückhaltend und risikoscheu sein. Oder offen, einladend und optimistisch. Die Umgebung verkörpert die Werte, für die eine Firma steht.

mm: Und wie manifestiert sich das nun konkret bei Google?

Pferdt: Ich habe mein eigenes Experiment vor drei Jahren gestartet, mit "The Garage" in Mountain View, eine Umgebung, die einlädt zum Experimentieren und zum Entwickeln von Prototypen. The Garage ist unfertig und verändert sich ständig, sie ist flexibel und bietet unterschiedliche Materialien für Experimente.

mm: Und jeder hat Zugang?

Pferdt: Ja, 24 Stunden, sieben Tage die Woche. Es gibt keine Restriktionen, man kann dort machen, was man möchte.

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