Dienstag, 27. September 2016

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Karriere Business Models - was die neuen Powerfrauen anders machen

Frauen ganz oben: Business Models
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AP

Das Silicon Valley macht es vor: Frauen in Führung wollen nicht mehr die besseren Männer sein. Ein neuer Feminismus bricht sich Bahn - auch bei uns.

Dass irgendetwas anders ist, merkt man schon, wenn man mal ein paar Stunden in der "Bank" gesessen hat, Hamburgs Business-Lunch-Location Nummer eins, Hohe Bleichen 17. In diesem alten Prachtbau halten die neuen Powerfrauen gern Hof, bei Minutensteaks vom Husumer Weideochsen und Quarkkeulchen mit marinierten Sommerbeeren.

Julia Jäkel (43) marschiert vorbei, Mutter von Zwillingen und seit zweieinhalb Jahren Chefin des Verlagshauses Gruner + Jahr (1,75 Milliarden Euro Umsatz). Jäkel ist nicht nur in Hamburg inzwischen eine kleine Berühmtheit: Sie hat Geschäftsführer und Chefredakteure gefeuert, G+J radikal umstrukturiert und Probleme angepackt, die ihre Vorgänger vor sich hin kriseln ließen. Während Männer nach solchen Taten als energische Macher dastehen, hängt Jäkel seither das Image einer Eisdohle an.

Gut gelaunt, luftig gestylt, mit dickrandiger Jackie-Ohh-Ray-Ban, sportlich und trotzdem klassisch, zieht sie die Blicke in der "Bank" auf sich. Der Manager in ihrer Begleitung - Ende 40, leicht aus den Fugen geraten, Doppelreiher, das weiße Hemd bis unters Doppelkinn zugeknöpft, Krawatte - hat optisch keine Chance, neben dieser Strahlefrau zu bestehen.

Die Szene passt zum Setting: Im Restaurant prangt an der Wand ein Ausspruch des Bankräubers John Dillinger: "Never trust a woman or an automatic pistol." Vor der Damentoilette das mannshohe Bild einer Comicfrau, siegesbewusst im engen Dreiteiler, in der Rechten den Aktenkoffer, in der Linken eine fette Zigarre. Vor dem Herrenklo ein in sich zusammengesunkener Pappkamerad, der aussieht, als sei er in den Schlamm gefallen.

Auftritt Tina Müller (47), Opels Wirbelwind. Schwarze Jeans, weiße Bluse, randlose Brille, kirschroter Mund, fester Händedruck: Gestatten, hier bin ICH. Sie zeigt die linke Hand, an der sie sich gerade einen Finger blutig gequetscht hat, das Fahrradschloss klemmte.

Müller mischt seit zwei Jahren als Marketingvorständin bei Opel eine Männerbastion auf: die Autoindustrie. Mit der Kampagne "Umparken im Kopf" hat sie der Konkurrenz gezeigt, dass man mit einer gehörigen Portion Chuzpe ein Markenimage drehen kann. Nur VWs Dieselgate hat in der Branche zuletzt noch mehr Wirbel verursacht als Frau Müllers Werbefeuerwerk. Ihr Tipp, wie man sich als Frau auch gegen Widerstände durchsetzt: "Authentisch sein, bei sich bleiben, sich nicht an eingefahrenen Mustern und männlichen Stilvorgaben orientieren". G+J-Chefin Jäkel sagt: "Ich bin, wie ich bin."

Jäkel und Müller stehen für einen neuen Typus Frau in den deutschen Chefetagen: Frauen, die keine stereotypen K(r)ampfbilder mehr im Kopf haben; die nicht mehr glauben, den besseren Mann abgeben zu müssen, um durchzudringen; die ganz bewusst Weiblichkeit ausstrahlen.

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