Donnerstag, 14. Dezember 2017

Jens Frahm - einer der besten Wissenschaftler Deutschlands Der Kernspintomograf

Jens Frahm
Mario Wezel für Manager Magazin
Jens Frahm

Der Physiker hat die Kernspintomografie revolutioniert. Dank seiner Patente dauern die Untersuchungen nur Minuten - und liefern inzwischen sogar Bilder in Echtzeit. Für seine Verdienste wurde er in die Hall of Fame der deutschen Forschung des manager magazins aufgenommen.

Im Leben von Jens Frahm dreht sich alles um die Röhre, jene medizinische Großapparatur, ohne die Radiologen heute quasi arbeitsunfähig wären. Die Röhre stößt derart furchterregende Geräusche aus, dass Patienten sie nur mit Kopfhörern ertragen. Andererseits liefert sie bessere Einblicke ins Innere unseres Körpers als jedes andere Verfahren - und das völlig strahlungsfrei.

Der Kernspin- oder Magnetresonanztomograf, abgekürzt MRT, ist eine Errungenschaft der modernen Medizin - und das Baby von Jens Frahm. Gemeinsam mit seinem Team am Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie hat er die physikalischen Grundlagen dieser Technologie erforscht. Seiner Arbeit ist es zu verdanken, dass in der Röhre binnen weniger Minuten genug Bilder erzeugt werden, die dann in einem Film etwa zeigen, ob und woran ein Herz krankt.

Rund 100 Millionen MRT-Untersuchungen werden pro Jahr weltweit abgerechnet. Die Medizintechnikgiganten Siemens Börsen-Chart zeigen, General Electric Börsen-Chart zeigen und Philips Börsen-Chart zeigen erzielen so Milliardenerlöse und Traumrenditen. Für sie ist Jens Frahm eine Art diagnostischer Regenmacher.

Der Oldenburger, 1951 in einen Ingenieurshaushalt geboren, kann immer noch nicht genau erklären, warum er ausgerechnet Physik studiert hat. "Gleich nach dem Abi hätte es genauso gut Musik sein können", erzählt er. Frahm spielt damals fast schon professionell Klarinette, finanziert sein Studium durch Auftritte mit Jazzbands. Am Ende siegt die Neugier über die Kunst. "Ich wollte immer Wissenschaftler werden."

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Bild: manager magazin

Die Grundlagen der Kernspinresonanz büffelt Frahm bereits für seine Diplomprüfung. Die Röhren bauen schnell wechselnde Magnetfelder auf, rund eine Viertelmillion Mal stärker als das Erdmagnetfeld, und messen die Effekte in Körpergeweben. Das fasziniert ihn. Mitte der 70er Jahre dauert jede dieser Untersuchungen noch Stunden. Kein Kranker kann so lange absolut still liegen. Das Verbesserungspotenzial ist gigantisch.

Frahm und sein Team entwickeln eine Methode, die mit einem Bruchteil der Messwerte, später auch mit schwächeren Magnetfeldern auskommt - und trotzdem gestochen scharfe Bilder aus dem Körperinneren liefert. Mitte der 80er Jahre melden die Göttinger die ersten Patente auf ihr schnelles, verlässliches MRT-Verfahren an: Die Untersuchungszeit war auf ein Hundertstel geschrumpft.

Sofort brechen erbitterte Patentstreitigkeiten los. Keiner der Weltkonzerne will den Akademikern aus der niedersächsischen Provinz Lizenzgebühren zahlen müssen. Während der nächsten Jahre verbringt Frahm mehr Zeit mit Anwälten als im Labor. Den Juristen die komplizierte Technologie zu erklären, damit die dann die Schriftsätze in allen möglichen Sprachen aufsetzen können, kostet Kraft. Das war "Stress pur", erinnert sich der 65-Jährige. 1993, endlich, erkennt das entscheidende US-Gericht an: Die schnelle MRT-Technik funktioniert nur dank der Göttinger Patente.

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