Dienstag, 16. Oktober 2018

Finanzinvestoren im Kaufrausch Der heiße Tanz der deutschen Firmenjäger

Finanzinvestoren im Kaufrausch: Das sind die wichtigsten Deutschen im Milliardengeschäft
Imago (3); DPA

Die Deals der Private-Equity-Branche werden immer waghalsiger. Umso schlimmer wird der Kater danach.

Die folgende Geschichte stammt aus der Ausgabe 12/2017 des manager magazins, die Ende November erschien. Wir veröffentlichen Sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Man könnte glauben, es ginge um Winterreifen. Oder eine Waschmaschine. Oder ein Mountainbike. Was eben so vertickt wird über EBay. Als die Gebotsfrist für den schwäbischen Keramikhersteller CeramTec (538 Millionen Euro Umsatz, 3400 Mitarbeiter) am Montag, 9. Oktober, um 12 Uhr mittags ablief, gingen drei Offerten von BC Partners, Partners Group und CVC Capital Partners ein. Verkäufer Cinven war noch nicht ganz zufrieden und setzte eine Nachfrist bis 22 Uhr. Nur BC-Partners-Mann Stefan Zuschke (55) legte so schnell nach, stellte jedoch eine harte Bedingung: Seine 2,6 Milliarden Euro galten exakt 15 Minuten.

Nervös saß Zuschke, ein schmaler, zurückhaltender Mann, an jenem Abend bei seinen Anwälten im Freshfields-Turm in Frankfurt. Er brauchte den Deal, sogar ein Notar war bereits bestellt.

Die Masche zog, Cinvens Bruno Schick (46) schlug ein, die Partners Group und CVC-Deutschland-Chef Alexander Dibelius (57) hatten das Nachsehen. Der Notar begann noch in derselben Nacht mit der Beurkundung.

Ähnlich dramatisch verlief das Rennen um den größten deutschen Private-Equity-Deal überhaupt: Als am entscheidenden Sonntagabend Anfang April der Aufsichtsrat des Generikaherstellers Stada (Ladival, Grippostad) in der Bad Vilbeler Zentrale zusammentrat, lag zunächst das Investorenkonsortium aus Bain Capital und Cinven mit 65 Euro je Aktie vorn. Um Mitternacht stockten Advent International und Permira auf, doch die Räte um den damaligen Chefkontrolleur Carl Ferdinand Oetker pokerten weiter und baten um höhere Offerten.

Neue Deadline: 4 Uhr morgens. Advent und Permira gaben auf, für sie war die Schmerzgrenze erreicht. Cinven-Partner Schick und Bain-Kollege Michael Siefke (50) zogen durch und erhöhten auf 66 Euro. Am Montagmorgen kurz nach 6 Uhr teilte Stada den Zuschlag ad hoc mit.

Die Fälle CeramTec und Stada zeigen, wie heiß gelaufen der Markt inzwischen ist. Angetrieben von der Niedrigzinspolitik der Zentralbanken, erreichen die Unternehmensbewertungen immer neue Höhen. Banken werfen mit Übernahmekrediten nur so um sich, zu laxeren Konditionen als je zuvor. Chinesische Fonds sowie Family-Offices drängen ins Buy-out-Business und treiben die Preise. "Die Wettbewerbsintensität nimmt ganz klar zu", beobachtet Ranjan Sen (48), Deutschland-Chef von Advent.

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