Freitag, 22. Februar 2019

Finanzinvestoren im Kaufrausch Der heiße Tanz der deutschen Firmenjäger

Finanzinvestoren im Kaufrausch: Das sind die wichtigsten Deutschen im Milliardengeschäft
Imago (3); DPA

2. Teil: Mondpreise, aber nichts zu sagen

Noch können die Private-Equity-Firmen problemlos dagegenhalten. Sie werden von institutionellen Anlegern mit frischem Geld nur so überschüttet. Weltweit sitzen die Dealmaker auf fast 1000 Milliarden Dollar "dry powder", also freien Mitteln, so viel wie nie. Kapital, das die Anleger investiert sehen wollen.

Abwarten und Vorsicht walten lassen ist deshalb keine Alternative. "Wir müssen kaufen", klagt so mancher Manager.

Logisch, dass die Deals immer waghalsiger werden. Finanzinvestoren wagen sich an milliardenschwere börsennotierte Konzerne heran, selbst wenn sie wie Stada zu 100 Prozent im Streubesitz sind und das Risiko des Scheiterns groß ist. Sie beteiligen sich mit 25 Prozent oder weniger an verschlossenen Familienunternehmen und zahlen Mondpreise dafür, ohne bestimmen zu dürfen.

Im Fokus stehen, so wie im Boom 2006/07, Hightechfirmen mit überdurchschnittlichen Zuwächsen. Dass die Wachstumsraten in der nächsten Konjunkturkrise einknicken können und die Schuldenberge dann umso stärker drücken, wird ausgeblendet.

Jüngst erwarb in Japan ein Konsortium aus Investoren wie Bain Capital und Strategen wie Apple, Dell und SK Hynix für 18 Milliarden Dollar die Speicherchipsparte des schlingernden Toshiba-Konzerns, Nippons größter Private-Equity-Deal aller Zeiten. Auch in Europa sondieren die Buy-out-Spezialisten angesichts der Geldflut wieder Deals in zweistelliger Milliardenhöhe, wie J.-P.-Morgan-Investmentbanker Christian Kames berichtet.

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All das erinnert fatal an die Wahnsinnszeiten, als Blackstone-Chef Stephen Schwarzman (70) öffentlich mit dem Gedanken an die Übernahme eines Dax-Konzerns spielte. Vieles fühle sich wieder an wie 2006/07, warnt Ken Oliver Fritz, Co-Chef von Lazard in Deutschland. "In einigen Fällen ist das Risiko nicht mehr richtig gepreist."

Die Party damals ging im Sommer 2007 abrupt zu Ende, als in den USA das Subprime-Debakel offenbar wurde. Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers ein Jahr später und die folgende Weltwirtschaftskrise mündeten in den größten Crash der Private-Equity-Branche seit Ende der 80er.

Reihenweise schmierten Umsätze und Gewinne der großteils auf Pump gekauften Firmen ab. Kredite mussten nachverhandelt werden. Eine Welle an Insolvenzen und Übernahmen durch Gläubigerhedgefonds via Tausch von Schulden in Eigenkapital (Debt-Equity-Swap) durchlöcherte die Portfolios der Beteiligungsgesellschaften. Börsennotierte Branchengrößen wie Blackstone und KKR aus New York rutschten tief in die Verlustzone. Europas damaliger Primus Permira schrieb bei seinem größten Fonds vorübergehend zwei Drittel der Investments ab.

Viele Private-Equity-Firmen mussten schließen. Und die Endabrechnung zehn Jahre später zeigt: Manche der 2006 und 2007 aufgelegten Megafonds erzielten gerade mal Renditen zehnjähriger Bundesanleihen. Denn die Fonds bekamen teuer erworbene Unternehmen wie Hugo Boss, ProSiebenSat.1, den dänischen Telekom-Konzern TDC oder den britischen Pharmagroßhändler Alliance Boots über viele Jahre kaum zu halbwegs auskömmlichen Preisen vom Hof.

Daten der kalifornischen Pensionsfonds Calpers und Calstrs, zwei der weltgrößten Private-Equity-Geldgeber, belegen: Die um 2006 herum aufgelegten Fonds von Apax, BC Partners und TPG verdienten lediglich 4 bis 5 Prozent jährlich auf das eingesetzte Kapital (Internal Rate of Return, IRR). Selbst die Altmeister Henry Kravis (73) und George Roberts (74; beide KKR) schnitten ebenso wie Bain und CVC mit 7 Prozent kaum besser ab.

Permira sowie Blackstones 21,7 Milliarden Dollar schwerer Weltrekordfonds kamen auf magere 8 Prozent IRR. Weil die Manager üblicherweise 20 Prozent versprechen und erst ab 8 Prozent persönlich daran verdienen, fiel ihre Erfolgsbeteiligung (Carried Interest) aus.

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So wie damals steigen auch jetzt wieder die Bewertungen. Dass Multiplikatoren vier Jahre in Folge zunehmen (siehe linke Grafik), haben aber selbst Branchenveteranen kaum je erlebt. "Vor drei Jahren haben wir schon gesagt, die Multiples sind verrückt", so Hengeler-Mueller-Partner Hans-Jörg Ziegenhain. "Doch es geht gerade so weiter."

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