Mittwoch, 22. November 2017

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Game Changer, Teil II Wie Flixbus den Reisemarkt aufmischt

Flixbus: Die drei Gründer
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3. Teil: Ein unternehmerisches Meisterstück

Sein unternehmerisches Meisterstück lieferte das Gründertrio 2015 mit der Übernahme des größten Rivalen ab. "Die Gründer von Mein Fernbus hatten eine ähnliche Denke wie wir", sagt Schwämmlein. Ein Zusammenschluss unter Gleichen, so stellen es die Beteiligten gern dar. Doch ganz so kuschelig war es nicht.

Unterlagen, die mm vorliegen, belegen, dass die Transaktion als Übernahme angelegt war. Die Mein-Fernbus-Gründer Torben Greve und Panya Putsathit wurden mit Millionenbeträgen abgefunden und halten heute nur noch 5,7 Prozent an der neuen Gesellschaft. Schwämmlein, Engert und Krauss 29,4 Prozent. Und das, obwohl die Berliner 2014 größer waren und 1,1 Millionen Euro Gewinn einfuhren, während Flixbus 5,6 Millionen Verlust schrieb.

Die Expansion läuft bereits

Die Münchener waren einfach den entscheidenden Schritt schneller und rigoroser als der Rivale Mein Fernbus. Schwämmlein, Engert und Krauss hatten ihr Konzept von vornherein international ausgerichtet und ausreichend Treibstoff für die Expansion gebunkert: Mit General Atlantic holten sie sich einen potenten Private-Equity-Fonds an Bord, der einen langen Atem hat und nicht gleich Gewinne erwartet. Mit 35,4 Prozent ist der US-Investor heute der größte Anteilseigner. Dank General Atlantic hat Flixbus jetzt die Chance, ein ehemals mittelständisches Geschäft zu einer europaweiten Plattform auszubauen. Mit Vollgas zum Marktführer - da konnte Mein Fernbus nicht mithalten.

Die Expansion läuft bereits: In Italien und den Niederlanden ist Flixbus schon die Nummer eins, in Frankreich gibt es ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Staatsbahn SNCF. Die grünen Busse rollen durch Österreich, Kroatien, Belgien, als Nächstes steht Skandinavien auf dem Fahrplan.

"Auf dem deutschen Markt werden wir dieses Jahr erstmals schwarze Zahlen schreiben", verspricht Schwämmlein. Wann die Firma als Ganzes Gewinn macht? Ein freundliches Lächeln. Man hat Zeit, Geld und noch viel vor.

Vor wenigen Monaten hat sich die Holding in Flixmobility umbenannt. Carsharing, Taxi-Pooling - die drei Gründer können sich noch einiges vorstellen. "Es gibt da keinen Masterplan", sagt Schwämmlein.

Er selbst fährt gern Bus, sein Vater organisiert in der fränkischen Heimat den Bürgerbus. Ins Büro nimmt er die S-Bahn oder das Fahrrad. Ein Auto besitzt er nicht. Nur wenn er nach Berlin reist, wo Flixbus nun seinen zweiten Sitz hat, nimmt auch der Busdisruptor mal das Flugzeug.

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