Samstag, 16. Dezember 2017

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Streit der Discounter-Milliardäre Die Rebellin - wie Babette Albrecht den Aldi-Clan aufmischt

Streitlustig: Babette Albrecht, Witwe von Berthold Albrecht, mit dem Münchener Rechtsanwalt Wolfgang Seybold
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Streitlustig: Babette Albrecht, Witwe von Berthold Albrecht, mit dem Münchener Rechtsanwalt Wolfgang Seybold

Berthold Albrechts Witwe Babette streitet mit ihrem Schwager Theo um Macht und Geld. Der unerbittliche Kampf könnte dem Unternehmen schweren Schaden zufügen.

Die folgende Geschichte stammt aus der Ausgabe 5/2017 des manager magazins, die Ende April erschien. Wir veröffentlichen Sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Im Frühherbst 1985 endete abrupt und für lange Zeit das pralle Leben der 25-jährigen Babette Schönbohm. Die partyerprobte Rheinländerin ehelichte damals Berthold Albrecht, den jüngeren Sohn des Aldi-Nord-Patriarchen Theo Albrecht senior. Sie liebte ihren Mann - zudem erhoffte sich die junge Frau von der Einheirat in eine der reichsten Familien Deutschlands ein unbeschwertes Dasein im Luxus. Doch es kam ganz anders.

Von einem Tag auf den anderen verlor Babette Albrecht ihre Selbstbestimmung. Sie musste sich den ungeschriebenen Regeln des Aldi-Clans unterordnen: Ausgelassene Feten waren tabu, das Geld durfte nicht gezeigt werden. Babettes Miniröcke und ihr zuweilen loses Mundwerk erregten Missfallen, vor allem bei der Schwiegermutter.

Die heute 89-jährige, streng katholische Cilly Albrecht legte fest, was ein Familienmitglied zu tun und was es zu lassen hatte. Ihre Söhne Berthold und Theo junior waren es von Kind an gewohnt, sich zu fügen, Babette musste den Gehorsam erst leidvoll erlernen.

Mehr als zwei Jahrzehnte ertrug sie die Auseinandersetzungen mit den Schwiegereltern und dem Schwager, die sie von Anfang an nicht mochten. Widerstrebend arrangierte sich Babette mit der Düsternis eines Milliardärsalltags, der kleinbürgerlicher nicht hätte sein können.

Diese Zeit ist nun endgültig vorbei. Seit ihr Ehemann Berthold im November 2012 mit 58 Jahren starb, erlaubt sich Babette Albrecht (56) all das, was bei den Aldis verpönt ist. Sie posiert vor Fotografen der Klatschpresse, zeigt sich in bunten Designerkleidern, trägt üppigen Schmuck und teure Hermès-Taschen. Auch lässt sie kaum ein Vergnügen aus - ob Karnevalssitzung in Köln oder Oktoberfest in München.

"Du bist eine Belastung für unser Unternehmen"

Cilly Albrecht, nach dem Tod von Theo senior im Jahr 2010 offizielles Familienoberhaupt, und ihr erstgeborener Sohn Theo junior (66) sind entsetzt. "Du bist mit Deiner Einstellung und Deiner Lebensführung eine Belastung für unser Unternehmen", schrieb Theo Mitte 2014 an die Schwägerin.

Babette Albrecht schert sich nicht mehr um die Befindlichkeit der Verwandtschaft. Selbst vor aufsehenerregenden Prozessen, zuvor ein Tabu im Clan, scheut sie nicht zurück. Sie brachte ihre fünf Kinder dazu, den Kunsthändler Helge Achenbach (65) wegen Betrugs anzuzeigen. Er hatte - mit unzulässigen Preisaufschlägen - den Albrechts für 120 Millionen Euro diverse Gemälde und Oldtimer besorgt.

Auch gegen Cilly und Theo Albrecht junior geht Babette vor. Gerichte sollen klären, wer künftig das Sagen bei Aldi Nord hat. Babette und ihre Kinder wollen bei dem Discountriesen mitreden, die Gegenseite würde sie am liebsten aus der Firma drängen.

Schon mehr als vier Jahre bekämpfen die Kontrahenten einander mit unerbittlicher Härte. Bleiben die Parteien unversöhnlich, könnte einer der erfolgreichsten Familienkonzerne der Republik, eine Geldmaschine mit 36 Milliarden Euro Umsatz und einem Nettogewinn von rund einer Milliarde Euro, schweren Schaden nehmen.

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In dem Zwist lenkt keiner ein, jede Seite verschanzt sich hinter ihrer eigenen Wahrheit. Seniorin Cilly gab zu Protokoll, das Verhalten von Babette und den Kindern richte sich "konkret gegen Struktur und Gefüge der Unternehmensgruppe Aldi Nord, also insbesondere gegen das Lebenswerk meines verstorbenen Mannes". Bertholds Witwe dagegen macht geltend, sie setze sich nur gegen die kalte Entmachtung ihres Familienzweigs durch Schwager und Schwiegermutter zur Wehr.

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