Montag, 11. Dezember 2017

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Streit der Discounter-Milliardäre Die Rebellin - wie Babette Albrecht den Aldi-Clan aufmischt

Streitlustig: Babette Albrecht, Witwe von Berthold Albrecht, mit dem Münchener Rechtsanwalt Wolfgang Seybold
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Streitlustig: Babette Albrecht, Witwe von Berthold Albrecht, mit dem Münchener Rechtsanwalt Wolfgang Seybold

5. Teil: Briefe wie Giftpfeile

Vollends eskalierte die Auseinandersetzung, als Bertholds Familie im Frühjahr 2014 den Gemälde- und Oldtimerlieferanten Achenbach anzeigte und dafür sorgte, dass er in Untersuchungshaft kam. Es war herausgekommen, dass Achenbach die Albrechts um 19 Millionen Euro geprellt hatte. Medien in der ganzen Republik berichteten genüsslich darüber, wie sich die Aldi-Erben hatten ausnehmen lassen.

Theo schäumte. Schriftlich hielt er der "lieben Babette" vor, sie habe mit der Strafanzeige "jegliche Sensibilität in Bezug auf unser Unternehmen vermissen lassen". Die Kunden würden nicht verstehen, dass die Gesellschafter eines mit jedem einzelnen Cent rechnenden Discounters "mit Millionenbeträgen ihrem Hobby im Kunst- und Oldtimermarkt nachgehen".

"Wenn Du geglaubt hast", so Theo, "tatsächlich betrogen worden zu sein, hättest Du unter Hintanstellung Deiner persönlichen Motive gemeinsam mit Helge Achenbach eine geräuschlose Regelung finden müssen." Die Glaubwürdigkeit von Aldi habe "großen Schaden genommen".

Babette Albrecht konterte scharf. In einem Brief mit der knappen Anrede "Theo" warf sie dem Schwager vor, seine Vorwürfe seien "an den Haaren herbeigezogen". Und weiter: "Aldi Nord zeigt nach meiner Kenntnis jeden kleinen Ladendieb an; und einen Großbetrüger sollen wir laufen lassen?"

Den Prozess gegen Achenbach nutzte Babette Albrecht als große Bühne. Mit auffälliger Rüschenbluse und - zu Ehren des Familienhunds - einem goldenen Pudel am Revers ihres Blazers erschien sie im Gerichtssaal. Sie reckte den Daumen hoch und verkündete: "Ich fühle mich spitze."

Die Hauptbelastungszeugin gab bereitwillig Auskunft über die Motive der Albrechts, mit Achenbach Geschäfte zu machen. Sie tat dies in der ihr eigenen Diktion: "Die klassischen Zinsen brachten keine Rendite mehr, sag ich jetzt mal so, da wurde Kunst interessant."

Die Befragung durch Richter, Ankläger und Verteidiger verschaffte ihr sichtlich Befriedigung. Endlich einmal wurde sie ernst genommen. Und dann auch noch die "Genugtuung" über den Schuldspruch: Achenbach wurde zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt.

Bereits Monate vor dem spektakulären Verfahren, das die Aldi-Eigner bis in die "Tagesthemen" brachte, hatte Theo junior seiner Schwägerin nahegelegt, ihre Familie solle sich von Aldi Nord trennen, um weiteren Reputationsschaden zu vermeiden. Er sei bereit, die Firmenanteile von Bertholds Hinterbliebenen zu übernehmen - allerdings mit einem gehörigen Discount auf den Verkehrswert.

Die Replik von Anwalt Urban: Seine Mandanten wollten sich nicht von Aldi Nord trennen. Ob Theo denn seinerseits bereit sei, sich zu einem derart niedrigen Preis herauskaufen zu lassen? Seither wird das Thema nicht mehr diskutiert.

Der skurrile Streit ließ die Gesellschafter des Schwesterkonzerns Aldi Süd nicht unberührt. Schließlich ging es auch um ihre Marke und ihren Ruf. Peter Heister (69), Ehemann von Theos und Bertholds Cousine Beate Heister (65), geborene Albrecht, versuchte zwischen den verfeindeten Familienzweigen zu vermitteln - ohne Ergebnis. Es gelang ihm auch nicht, Babette und ihre Kinder davon abzubringen, vor Gericht zu ziehen, um die Machtverhältnisse im Konzern zu klären.

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