Samstag, 16. Dezember 2017

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Streit der Discounter-Milliardäre Die Rebellin - wie Babette Albrecht den Aldi-Clan aufmischt

Streitlustig: Babette Albrecht, Witwe von Berthold Albrecht, mit dem Münchener Rechtsanwalt Wolfgang Seybold
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Streitlustig: Babette Albrecht, Witwe von Berthold Albrecht, mit dem Münchener Rechtsanwalt Wolfgang Seybold

3. Teil: Kein Entrinnen aus dem Mikrokosmos

Hin und wieder besuchte der Milliardärssohn das Elternhaus seiner Babette in Köln. Dabei brachte er schon mal einen Toaster oder einen Fernsehapparat mit. Die Gastgeschenke waren hochwillkommen, denn der Familie ging es inzwischen finanziell schlecht. Der Stiefvater hatte sich mit nigerianischem Öl verspekuliert. Obendrein geriet er mit dem Gesetz in Konflikt, berichtet Yvonne Schönbohm-Rosendahl im gemeinsamen Gespräch mit dem Münchener Rechtsanwalt Christos Perperidis.

Mit ihren nicht mehr standesgemäßen Eltern wollte Babette die Verwandtschaft ihres Mannes auf keinen Fall zusammenbringen. Nicht einmal zur Hochzeit, die im September 1985 auf Schloss Hugenpoet nahe Essen gefeiert wurde, waren die beiden eingeladen, ebenso wenig wie Babettes leiblicher Vater oder die Halbschwester Jasmin. Man blieb lieber unter sich: die Familie von Theo senior und die seines Bruders Karl, der die Schwesterfirma Aldi Süd gehört, sowie ein paar enge Freunde des Brautpaars.

Babettes Eltern wurden im Nachhinein per Karte von den frisch Vermählten unterrichtet. Immerhin baten sie die Schönbohm-Rosendahls zum Abendessen in einen Golfklub. Man traf sich zu viert in harmonischer Atmosphäre und ging friedlich auseinander.

Doch irgendwann kochte bei der Mutter der Ärger über die Ausgrenzung hoch. Sie schrieb ihrer Tochter einen Brief, der, wie sie einräumt, "nicht schön war", und beklagte sich, "dass Du so mit mir umgehst". Babette brach den Kontakt ab; bis heute haben die beiden nicht einmal Telefonnummern ausgetauscht.

Der Bruch setzte der Mutter arg zu. Sie war enttäuscht, dass die reiche Tochter sie finanziell nicht unterstützte. In ihrer Not, die Schönbohm-Rosendahls lebten mittlerweile von Sozialhilfe, wandte sich die Geächtete an Berthold, den sie sehr mochte. Der gab schließlich nach - vielleicht aus Mitleid, vielleicht auch, weil er fürchtete, seine Schwiegermutter würde öffentlich ausbreiten, aus welchen Verhältnissen Babette kommt. Yvonne Schönbohm-Rosendahl erhielt zunächst 4000 Mark monatlich. Auch nach Bertholds Tod floss das Geld, heute sind es 2500 Euro.

Die Zahlungen blieben die einzige Verbindung zu den Albrechts. Selbst ihre Enkel hat Yvonne Schönbohm-Rosendahl nur einmal gesehen. 1990 brachte Babette Albrecht Vierlinge zur Welt, drei Mädchen und einen Jungen; zwei Jahre später noch eine Tochter. Von da an nahm die Mutterrolle sie vollends in Beschlag.

Hinzu kam eine allgegenwärtige soziale Kontrolle, denn die Großeltern lebten im feinen Essen-Bredeney in derselben Straße wie Babette und Berthold. Auch Theo junior wohnte gleich um die Ecke.

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Aus diesem Mikrokosmos gab es für Babette kein Entrinnen. Eine Albrecht sollte öffentlich nicht in Erscheinung treten, auch aus Sorge vor einem Überfall: Theo senior war 1971 entführt und 17 Tage gefangen gehalten worden. Erst nach Zahlung eines Lösegelds kam er wieder frei.

So blieben Babette als Abwechslung vor allem die Besuche mit den Kindern bei Oma Cilly und der pflichtgemäße Kirchgang am Sonntag. Hobbys hatte sie kaum - außer der Leidenschaft, Schweinchen aus allen erdenklichen Materialien zu sammeln und sie in einer Vitrine im Wohnzimmer auszustellen.

Erst später schufen sich Babette und Berthold einen gesellschaftlichen Höhepunkt: Alljährlich im November lud das Ehepaar ein paar Dutzend Bekannte zum Gänseessen ins neu gebaute Gästehaus.

Wie ein Glücksfall muss es Babette da vorgekommen sein, dass sie und ihr Mann 2007 bei einer Einladung in der Nachbarschaft zwei Menschen aus einer ganz anderen Welt kennenlernten: den Düsseldorfer Kunstberater Helge Achenbach und seine Frau Dorothee (53), eine promovierte Kunsthistorikerin und Autorin.

Die Ehepaare freundeten sich an, eine besondere Nähe entstand zwischen dem sonst so scheuen Berthold und dem eloquenten Achenbach. "Mein Mann war ganz aufgeschlossen von Herrn Achenbach", gab Babette später etwas ungelenk vor Gericht zu Protokoll.

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