Montag, 11. Dezember 2017

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Streit der Discounter-Milliardäre Die Rebellin - wie Babette Albrecht den Aldi-Clan aufmischt

Streitlustig: Babette Albrecht, Witwe von Berthold Albrecht, mit dem Münchener Rechtsanwalt Wolfgang Seybold
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Streitlustig: Babette Albrecht, Witwe von Berthold Albrecht, mit dem Münchener Rechtsanwalt Wolfgang Seybold

2. Teil: Wunsch nach Revanche

Der Streit erinnert an den anderer großer deutscher Industriellensippen wie den der Flicks oder der Thyssens. Ihre Unternehmen sind, wie man weiß, längst Geschichte, zerbrochen an Unfähigkeit und Hass.

Nun entwickelt sich Babette Albrecht zum Albtraum für die Krämerfamilie aus dem Ruhrgebiet. Die Frau, die auf Fotos das Leben anlacht, wird offensichtlich getrieben vom Verlangen nach Revanche für erlittene Demütigungen und dem Wunsch, ihren Kindern dauerhaft einen Platz in der Dynastie zu sichern. Der "Denver-Clan", die TV-Serie aus den 80er Jahren, spielt heute in Essen, dem Wohnort der Albrechts.

Umbrüche, Unruhe, Unfrieden kennt Babette seit Kindheit und Jugend in Köln. Vater Klaus Schönbohm war Ingenieur, Mutter Yvonne arbeitete als Kosmetikerin und Heilpraktikerin. Die Ehe zerbrach, als die Tochter in die Schule kam.

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Erben vor Gericht
Bei den Rechtsstreitigkeiten unter den Albrecht-Stämmen geht es um den Einfluss in den Familienstiftungen
Wem Aldi Nord gehört
Der Discounter hat mit einem Umsatz von 36 Milliarden Euro und einem Nettogewinn von rund einer Milliarde Euro ein Rekordjahr hinter sich. Aldi Nord zählt zu den größten und wertvollsten Konzernen in Familienhand. Es gäbe also allen Grund zur Zufriedenheit. Doch unter den Nachfahren des Patriarchen Theo Albrecht senior ist ein erbitterter Streit über Macht und Geld ausgebrochen. Dabei gehört das Unternehmen den beiden Albrecht-Stämmen - streng genommen - überhaupt nicht mehr. Alle Anteile wurden vor vielen Jahren in drei Stiftungen (siehe Grafik) eingebracht, die ihren Sitz im schleswig-holsteinischen Nortorf haben.
An wen die Erträge fließen
Die Familienmitglieder sind Destinatäre der Stiftungen. Das heißt: Sie bekommen laufende Zuwendungen aus den Unternehmenserträgen. Über die Zahlungen beschließen die Stiftungsvorstände. Bei wichtigen Entscheidungen des Discounters müssen sich die Vorstände einig sein, sonst kommt es zur Blockade.
Wer vor Gericht gezogen ist
Um zwei dieser Stiftungen gibt es Disput. Die Kinder von Theo Albrechts 2012 verstorbenem Sohn Berthold haben die staatliche Stiftungsaufsicht gleich zweimal verklagt.
Warum die Erben sich entmachtet fühlen
Im ersten Fall geht es um eine Satzungsänderung bei der Jakobus-Stiftung, die von der Behörde genehmigt wurde. Ende 2010 hatte der Stiftungsvorstand beschlossen, dass die Destinatäre nach dem Tod Berthold Albrechts nur noch zwei Sitze in dem Gremium haben - statt wie vorher bis zu drei. Damit hätten Berthold Albrechts Hinterbliebene keine Chance mehr gehabt, den Vorstand mehrheitlich aus den eigenen Reihen zu besetzen. Die Stiftung, vertreten durch zwei Töchter Bertholds, klagte gegen die Entmachtung der Familie. Das Verwaltungsgericht Schleswig hob die Satzungsänderung auf, sie sei fehlerhaft zustande gekommen. Zum Missfallen von Berthold Albrechts Bruder Theo junior genehmigen sich die Kläger nun selbst Ausschüttungen aus der Jakobus-Stiftung und wirken an wichtigen Entscheidungen des Unternehmens mit.
Was die Nachkommen wissen wollen
Der zweite Fall betrifft die Markus-Stiftung, zu deren Destinatären sämtliche Abkömmlinge des verstorbenen Theo Albrecht senior sowie dessen Witwe Cilly gehören. Berthold Albrechts Kinder fordern Einblick in die Akten, da sie weder die Satzung kennen noch wissen, wer dort im Vorstand sitzt. Doch bisher verweigerte die Stiftung jede Information, und die Behörde gab ihr recht. Auch gegen diesen Beschluss klagten Bertholds Nachkommen, unterlagen aber vor dem Verwaltungsgericht.
Wie der Streit weitergeht
Sowohl das Jakobus- als auch das Markus-Verfahren ging in die Berufung. Nun muss das Oberverwaltungsgericht Schleswig entscheiden, was allerdings kaum vor Ende 2017 zu erwarten ist.

Bald darauf heiratete die Mutter den 20 Jahre älteren Herbert Rosendahl, einen Rechtsanwalt. Seine Kanzlei florierte, das brachte Glamour ins Leben der Schönbohm-Rosendahls. Sie leisteten sich Reisen bis nach Hawaii, wohnten in Fünfsternehotels und speisten in erstklassigen Restaurants. Auch für das teure Internat Schloss Eringerfeld unweit von Paderborn war genug Geld da. Babette besuchte dort die Hauptschule.

Früh zeigten sich ihre Neigungen. Ein Klassenkamerad weiß noch, dass sie eine "eher mittelmäßige Schülerin war; eine Betriebsnudel, deren einzige Begeisterung dem Tanzen galt". Für politische Diskussionen und Bücher hatte sie wenig Sinn.

Babette verließ das Internat mit der mittleren Reife. Nach Köln zurückgekehrt, half die Tochter dem Stiefvater bei Büroarbeiten. Sie begann eine Lehre als Arzthelferin - und brach sie wieder ab. Eine besonders gute Ausbildung oder gar ein Studium hatten im Elternhaus offenkundig keine Priorität. Wichtiger schien es, einen vermögenden Mann zu finden. "Wir lebten im Luxus, Babette konnte doch nicht absteigen", sagt ihre Mutter, die heute 76-jährige Yvonne Schönbohm-Rosen- dahl.

Also fuhr Babette mit einer Freundin dorthin, wo sich die Reichen treffen: nach Sylt. Auf der Insel lernte sie beim Besuch eines Polospiels den jungen Theo Albrecht kennen, später dann dessen Bruder Berthold.

Babette und Berthold wurden ein Paar - ein sehr ungleiches. Die Autorin Hanne-Lore Heilmann, die Mitglied im selben Golfklub war wie Berthold, erzählt von einem Abend in einer Essener Edeldisco. "Ich sah einen zurückhaltenden Mann von etwa Ende 20, der es vermied, im Mittelpunkt zu stehen." Seine Freundin Babette, so Heilmann, "brünett wie Sophia Loren und schlank wie die Bardot", trug enge, hellblaue Strickleggings mit passendem bauchfreiem Pulli.

Es dauerte nicht lange, und die junge Frau tanzte auf der Theke. Berthold, erzählt die Beobachterin von damals, "schaute seine Babette mit seligem Lächeln an - liebevoll, mit jener heiteren Gelassenheit, die man von Buddha-Statuen kennt".

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