Freitag, 26. August 2016

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Uniper-Chef Klaus Schäfer Der Mann, der die Kohle- und Gaswelt retten soll

Klaus Schäfer: Der Mann für die ganz harten Fälle
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Rüdiger Nehmzow für manager magazin

Klaus Schäfer ist beim Energiekonzern Eon der Mann für die schwierigen Fälle. manager magazin hat im Januar ein Portrait des Mannes gezeichnet, der die Kohle- und Gaswelt retten soll. Der Countdown läuft.

Der futuristische Bau im Düsseldorfer Medienhafen, Jobheimat für rund 1000 Eon-Rohstoffhändler, hat einen neuen, gut situierten Mitbewohner: In das Capricorn-Haus zieht Klaus Schäfer (48) ein. Der ehemalige Eon-Finanzvorstand leitet ab Januar die Firma Uniper (der Kunstname steht selbstbewusst für "Unique Performance").

Tatsächlich hat der kriselnde Energiekonzern in der "Einzigartigen" all das ausgelagert, was momentan nicht gut läuft: Kohle- und Gaskraftwerke etwa, die bei verfallenden Stromgroßhandelspreisen kaum noch Gewinn machen, die Geschäfte in Russland (Rezession) und Brasilien (insolvente Beteiligung) und eben den Energiehandel, der im Geschäftsjahr 2014 kümmerliche 21 Millionen Euro als Profit vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) in die Bücher kalligrafieren ließ.

Eon-Vorstandschef Johannes Teyssen (56) behält die vermeintlich strahlendere Zukunft: Sonnen- und Windkraft, Strom- und Gasverkauf, das regulierte, aber stabile Netzbusiness - und, anders als zunächst geplant, die Atommeiler.

Mit dem Rest muss Klaus Schäfer zurechtkommen. Der Mann für die schwierigen Fälle. Der Mann mit den zwei Schreibtischen: Einer steht am offiziellen Uniper-Sitz, in der bisherigen Eon-Zentrale, der zweite ein paar Kilometer stromabwärts, wo die "Global Commodities" logieren, in Großraumbüros, umgeben von viel Glas, viel Licht und Luft.

Er möchte nah am Geschehen sein, schnell mit seinen Leuten zusammenkommen. Spüren will er, mit welcher Verve jemand sein Anliegen vertritt, wie sehr er um die Dinge kämpft. Das, findet er, gehe nicht mit E-Mails oder am Telefon, sondern nur mit physischer Präsenz.

Zukunftsgeschäft für Teyssen, die Reste für Schäfer

Er fällt auf, nicht etwa durch eine selbstverliebte oder gar arrogante Attitüde, sondern durch seine Statur: 1,90 Meter groß, lange Arme, ein kräftiger Händedruck. Die schwarz umrandete Brille lenkt ab von hoher Stirn und grau meliertem Haar - und von dem, was hinter den Gläsern passiert, dort, wo die grauen Zellkraftwerke arbeiten.

Zweifellos ist der Mann analytisch veranlagt. Er hat sich der Sache verschrieben, ist ein treuer Faktenfan. Das Dampfplaudern liegt ihm nicht; wenn er es praktiziert, dann geht es um die Nutzung desselben zu Heizzwecken. Öffentliches Posing meidet er. Die Zurückhaltung muss er spätestens ablegen, wenn nach Silvester die neue Zeitrechnung beginnt, in einem Job, den viele Beobachter als Himmelfahrtskommando ansehen.

Was treibt ihn an? Ist er ein Karrierist? Hat er gar masochistische Neigungen? Und: Kann er das Gebilde Uniper trotz schwerer Old-Economy-Hypothek zum Erfolg führen?

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Klaus Schäfer, so viel ist sicher, zieht diffizile Jobs an wie Steckdosen Stecker. "Troubleshooter" nennen die Anglizisten so einen. "Risolutore di problemi" sagen sie in Italien, einem Land, das für ihn zur zweiten Heimat geworden ist. Seine Frau ist Italienerin. Er hat ein Ferienhaus am Comer See und eine durchaus nüchtern-rationale Sicht, was einen guten Espresso ausmacht. Aber dazu später mehr.

Schon als Student musste er Probleme lösen, die ihm von außen auferlegt worden waren. Er stammt aus der Oberpfalz, einer Gegend, in der ein ehrlicher Schweinsbraten mit Knödel und Kraut noch heute für unter acht Euro zu haben ist und die einst die politisch hochexplosive atomare Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf beherbergte.

Als er sich zum BWL-Studium entschloss, tat er das mit dem Ziel, in eine der drei großen M-Ökonomenstädte überzusiedeln: München, Mannheim oder Münster. Die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (kurz: ZVS) allerdings, die damals in den Fächern mit großem Andrang die Abiturienten verteilte, beorderte ihn von seiner Heimatstadt Regensburg nur ins niederbayerische Passau, Luftlinie 111 Kilometer entfernt.

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