Samstag, 20. Oktober 2018

Wind wird zum Big Business Tod im Windpark - wer außer Siemens und GE überlebt

Windenergie: Durchbruch zum Big Business
DPA

Die Pionierzeit ist vorbei. Wind wird zum Big Business. Die kleineren Anbieter wie Enercon, Senvion und Nordex drohen hinweggefegt zu werden.

Die folgende Geschichte stammt aus der Ausgabe 1/2017 des manager magazins, die Ende Dezember erschien. Wir veröffentlichen sie hier als Kostprobe unseres Journalismus "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Der Arbeitsplatz von Jürgen Geißinger (57) in der öden Hamburger City Nord ist schmucklos wie das Büro eines Militärstrategen. Ins Auge fällt sofort ein großes Whiteboard hinter dem Besprechungstisch. Mit grünem Stift sind darauf Daten und Zielmargen zu den wichtigsten Projekten gekritzelt. Der Hausherr bringt gern jedem, der hier eintritt, sein ehrgeiziges Programm nahe.

Antreibend und detailversessen - der ehemalige Chef des Autozulieferkonzerns Schaeffler ist als CEO des Windanlagenbauers Senvion wieder ganz der alte. Die schwarz gerandete Nerd-Brille, die sich der Ingenieur während der Auszeit auf seinem Bauernhof im Allgäu zugelegt hatte, hat er gegen ein schlichtes randloses Exemplar getauscht. Der Mann meint es ernst.

Geißinger will an vergangene Höchstleistungen anknüpfen. Kein Einsatz scheint ihm zu hoch. Zu Übungszwecken ließ er sich sogar vom Turm eines Windrads aus 90 Metern Höhe abseilen. Er sei zwar neu in der Industrie, gibt er zu, das müsse aber nicht schlecht sein: "Ich mische den Laden jetzt ein wenig auf."

Senvions Kosten müssen runter. Gleichzeitig müssen die Windturbinen weiterentwickelt werden und neue Absatzmärkte her. Gerade erst hat Geißinger eine kleine indische Windfirma übernommen.

Doch ob seine Mission in Hamburg ähnlich erfolgreich wird wie die beim Continental-Großaktionär Schaeffler, ist höchst fraglich. Geißinger hat sich eine Branche ausgesucht, in der sich gerade der Wind dreht, er bläst ihm geradezu ins Gesicht. Dem Branchenpionier Senvion droht - wie so vielen anderen Mittelständlern in dem Gewerbe - ein Kampf ums Überleben.

Die Rotorenbauer stolpern über ihren eigenen Erfolg. Wind gewinnt im Energiemix zunehmend an Bedeutung. Das Geschäft boomt, ist der Öko-Nische längst entwachsen. Nicht nur im Energiewende-Mekka Deutschland, sondern auch in anderen Teilen der Welt. Die globalen Wachstumsprognosen für die nächste Dekade sind solide, der Bau neuer Windmühlen auf hoher See könnte sogar um 20 Prozent jährlich zulegen. Die gigantischen Offshore-Anlagen sollen schon bald kostengünstiger Strom liefern als ein Gaskraftwerk. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (57) hat daher angekündigt, die Subventionen für erneuerbare Energien ab 2019 zu beschneiden - mit drastischen Folgen für die zuschussverwöhnten Hersteller.

Wind wird zum Big Business. Am ehrgeizigsten geht Siemens Börsen-Chart zeigen vor. Im vergangenen Frühsommer griff Konzernerneuerer Joe Kaeser (59) nach dem spanischen Wettbewerber Gamesa Börsen-Chart zeigen und bekam als Beigabe noch das (defizitäre) Windgeschäft des französischen Atomkonzerns Areva Börsen-Chart zeigen dazu. Damit steigen die Münchener zur neuen Nummer eins der Branche auf.

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