Montag, 11. Dezember 2017

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Einzelhandel Edeka in der Klemme - warum der Tengelmann-Deal nicht hilft

Edeka: Die Tengelmann-Übernahme setzte Edeka mit Gewalt durch - doch der Deal bringt Deutschlands Einzelhandelsriesen nicht voran

Der Krämerkonzern Edeka steckt in der Klemme. Die teure Tengelmann-Akquisition nützt vorerst niemandem, ebenso wenig der Einstieg ins Drogeriegeschäft.

Die folgende Geschichte stammt aus der Ausgabe 10/2017 des manager magazins, die Ende September erschien. Wir veröffentlichen Sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Jahrelang war Edeka-Chef Markus Mosa (49) sein eigener Marketingvorstand. Eine Nebentätigkeit, die ihm großen Spaß machte. Gern kümmerte er sich persönlich um Filmaufnahmen für die Edeka-Werbung, plauderte mit Kreativen und redete schon mal bei der Regie mit. Ganz sicher viel angenehmer und glamouröser als der Alltag in der Hamburger Zentrale.

Die schöne Zeit ist nun vorbei. Anfang Juli gab Mosa den geliebten Marketingjob ab. Stattdessen übernahm er zusätzlich zum Chefposten das aufreibende Einkaufsressort, das er schon einmal nebenher betreut hatte - damals wie heute eine gewaltige Doppelbelastung.

Sein Vorstandskollege Heiko Kordmann (46), bis Juni für die Warenbeschaffung verantwortlich, hatte sich entschlossen, nach knapp zwei Jahren hinzuwerfen. Nicht ganz freiwillig, denn Kordmann sah offenbar keine Chance, seinen 2018 auslaufenden Vertrag verlängert zu bekommen.

Nun ist Mosa aus der bunten Scheinwelt der Werbung wieder in der Realität angekommen - eine Wirklichkeit voller Widrigkeiten. Zwar dominiert Edeka mit knapp 50 Milliarden Euro Umsatz unangefochten den deutschen Lebensmittelhandel; die knapp 4000 selbstständigen Kaufleute, die unter dem blaugelben Logo arbeiten, machen gute Geschäfte.

Seit der Tengelmann-Übernahme läuft es nicht mehr rund

Doch wirklich rund läuft es in der genossenschaftlichen Organisation nicht mehr - vor allem wegen des Erwerbs der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann (KT). Und auch die von Mosa gefeierte Kooperation mit der Drogeriemarktkette Budnikowsky ("Ein idealer Partner") ist alles andere als ein Befreiungsschlag - mitnichten eine ernst zu nehmende Konkurrenz für DM, Rossmann & Co.

Den KT-Deal setzten die Edekaner mit aller Gewalt durch, gegen ein Veto des Bundeskartellamts. Edeka-Vorstand und gedungene Lobbyisten bearbeiteten den früheren Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (58) so lange, bis der das Verbot mittels einer sogenannten Ministererlaubnis aufhob - geknüpft allerdings an harte Bedingungen.

Am Ende ist die Akquisition für Edeka mehr Belastung als strategischer Sieg:

  • Die ministeriellen Auflagen haben die erhofften Vorteile für Edeka auf viele Jahre eingefroren - und den Deal erheblich verteuert.
  • Die gezwungenermaßen mitgekaufte Fleischwarenproduktion, die Logistik und die KT-Zentrale sind purer Ballast. Edeka braucht sie nicht, die eigenen Kapazitäten reichen auch für die hinzugekommenen Läden völlig aus. Dennoch muss die Organisation die mehreren Hundert Beschäftigten weiter entlohnen, anderswo einsetzen - oder teuer abfinden.

Der ebenfalls zum KT-Paket gehörende Onlinelieferdienst Bringmeister ("Wir besorgen's ganz Berlin") ist auf Jahre hinaus ein Millionengrab. Zahlen müssen die Edeka-Genossen, obschon Bringmeister ihr eigenes Geschäft bedroht.

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