Freitag, 15. Dezember 2017

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Diesel-Lenker Renzo und Stefano Rosso über Luxus und Label "Die Modeindustrie ist tot"

Renzo Rosso: Vom Jeanslabel zum Luxusimperium
Fotos
Martin Schoeller

Diesel-Gründer Renzo Rosso hat aus dem Jeanslabel ein kleines Luxusimperium geschaffen. Mit seinem Sohn Stefano bereitet der eigenwillige Unternehmer den Konzern nun auf einen Börsengang vor. Die Fashion-Branche in ihrer jetzigen Form hat sich überlebt, so ihre Botschaft.

Die folgende Geschichte stammt aus der Ausgabe 1/2017 des manager magazins, die Ende Dezember erschien. Wir veröffentlichen sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Bauernsohn, Rebell, Rockstar - Renzo Rosso beherrscht viele Rollen. Bald könnte sich der 61-Jährige an eine neue gewöhnen: Rentner. Doch vorher hat der siebenfache Vater mit den Silberlocken noch einiges zu erledigen. Mit den Millionen, die ihm sein Jeanslabel Diesel bescherte, hat Rosso Marken wie Marni und Maison Margiela gekauft und so ein kleines Luxusimperium aufgebaut. Allerdings verlor er dabei sein Kerngeschäft aus den Augen - und Diesel den Anschluss. Jetzt muss der OTB-Präsident gemeinsam mit Sohn und CEO Stefano hart umsteuern.

Zum Gespräch mit mm wird in der VIP-Lounge der Konzernzentrale in Breganze (Kamin, selbst designte Sofas) ein Drei-Gänge-Menü serviert und Rotwein aus eigenem Anbau ausgeschenkt. Kürzlich war Matteo Renzi (noch als Regierungschef) zu Gast. Zum Abschied hat Renzo Rosso noch eine kleine Bitte: "Schreiben Sie nur positiv über uns. Sonst komme ich zu Ihnen und kille Sie."

manager magazin: Herr Rosso, haben Sie sich schon den Schriftzug Ihres jüngsten Neuerwerbs, Paula Cademartori, tätowieren lassen?

Renzo Rosso: Ich lasse mir nicht jedes Label tätowieren. Das mache ich nur, wenn ich mir sicher bin, dass die Verbindung lebenslang hält. Bei Diesel und Marni ist dies der Fall, Victor & Rolf könnte bald dazukommen.

mm: Der Rest steht zur Disposition?

Renzo: Eigentlich nicht, aber bevor Sie sich etwas tätowieren lassen, sollten Sie sich ganz sicher sein.

Stefano: Marken weiterzuverkaufen passt nicht zum Spirit von Unternehmern wie uns. Trotzdem könnte es sein, dass wir uns von einem Label auch wieder trennen. Der Markt verändert sich rasant, und es wird immer schwieriger, an Marken zu kommen, deren Strahlkraft ewig hält.

mm: Woher rührt denn Ihre Leidenschaft für Luxus? Sie passen doch gar nicht in die elitäre Laufstegliga. Oder ist aus dem ewigen Rebell ein Snob geworden?

Renzo: Wenn Sie mir einen Fiat und einen Ferrari hinstellen, nehme ich den Ferrari. Ich habe so oft versucht, eine billige Jeans zu produzieren, bin aber immer gescheitert. Ich bevorzuge Qualität und liebe wunderschöne Dinge, doch das macht mich noch lange nicht zum Snob. Ich bin wohl der bodenständigste Mensch im Fashion-Geschäft. Egal, wer mir schreibt, ich antworte immer. Das ist andersrum nicht so. Manche in dieser Branche können nicht mal ein Smartphone bedienen.

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