Montag, 11. Dezember 2017

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Die Sieger des German Design Award 2017 Faltbare Badewannen und Hängekamine

German Design Award 2017: Das sind die Sieger
Fotos
Carina Deuschl

Faltbare Badewannen, Fitnessflieger und Hängekamine - Neuheiten made in Germany sind nur selten revolutionär. Schön sind sie trotzdem.

Eine Verabredung mit der Designerin Carina Deuschl ist gar nicht so einfach. Nein, ihre Wohnung stehe dafür nicht zur Verfügung, und ein eigenes Atelier habe sie noch nicht. Sie sei auch gerade auf dem Sprung zu ihren Eltern, führe ein Nomadenleben zwischen der Akademie, wo sie eine Assistenzstelle habe, ihrem Heimatort und ihrer Wohnung.

Also trifft man sie in einem Café am Wiener Platz in München, sie ist pünktlich, steht aber noch draußen, schwarze Locken, weiße Bluse, schwarze Hose, schwarzer Rucksack, neben sich einen schwarzen Dokumentenkoffer, und spricht in ihr Handy.

Das Stück, für das sie jetzt von der Jury des Frankfurter Rats für Formgebung beim German Design Award 2017 mit Gold ausgezeichnet wurde, passt irgendwie zu ihr: eine schwarz-weiße Badewanne, und zwar eine mobile. Ein faltbares schwarzes Carbongerüst mit einer weichen, textilen weißen Wanne. In gefaltetem Zustand gerade mal knapp einen Zentimeter dick und bequem unter den Arm zu klemmen. Für Nomaden eben.

Bislang gibt es nur einen Prototyp, noch gibt es keinen Hersteller. Man kann die Wanne also nicht kaufen, obwohl die Erfinderin täglich E-Mailanfragen aus der ganzen Welt bekommt. "Das Interesse ist extrem groß." Sie ist selbst überrascht.

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Carina Deuschl hat zeitgleich Kunstgeschichte und Innenarchitektur studiert und mag's am liebsten mobil: eine aufblasbare Obstschale aus einer aluminiumbeschichteten Polyesterfolie, ein tragbares Radio, das als Expander funktioniert und betrieben wird, ein Schaukelstuhl aus Luftmatratzen statt Polstern. Und jetzt die Wanne, einem "ganz persönlichen" Bedürfnis entsprungen: "Mein Wunsch war, eine Badewanne zu haben, die ich auch mal durchs Wohnzimmer tragen kann."

Kaminöfen, Kindersitze, Regenwassertonnen - rund 4000 Produkte wurden dieses Jahr für den Designpreis 2017 eingereicht beim Rat für Formgebung, dem ältesten und renommiertesten Gestaltungsgremium der deutschen Wirtschaft mit fast 250 Mitgliedsfirmen. Bei der Verteilung der Goldmedaillen ließ sich die 48-köpfige Jury leiten von Kriterien wie "User Experience, Benutzerfreundlichkeit und zielgruppengerechtem Design", so Andrej Kupetz, Geschäftsführer des Rates. "Alles dreht sich um den Nutzer und seine Bedürfnisse."

Eine neue Kategorie ist in diesem Jahr das Universal Design, ein Konzept, nach dem Produkte so gestaltet werden, dass sie für so viele Menschen wie möglich, auch solche mit eingeschränkten Fähigkeiten, nutzbar sind. Barrierefreier Zugang für alle.

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