Freitag, 20. Juli 2018

Die Sieger des German Design Award 2017 Faltbare Badewannen und Hängekamine

German Design Award 2017: Das sind die Sieger
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Carina Deuschl

2. Teil: Innovationen fallen hiesigen Formgebern schwer

So weit, so ehrenwert. Womit sich hiesige Formgeber aber nach wie vor schwertun, seien echte Innovationen, beklagt Kupetz. Die ingenieursgetriebene Industrie setze immer noch stärker auf die Weiterentwicklung bestehender Produkte als auf die Erfindung komplett neuer Dinge. Evolution statt Revolution.

Die Potenziale neuer Technologien würden oft nicht erkannt. Das Gespür für Märkte und sich wandelnde Kundenbedürfnisse sei oft unzureichend entwickelt. Man baue lieber die siebte Generation des VW Golf anstatt wie Tesla die Elektromobilität neu zu erfinden und für ein breites Publikum attraktiv zu machen. "Wenn wir uns anschauen, wie das Neue in die Welt kommt, dann blicken wir vor allem über den großen Teich", sagt Kupetz. Von ein paar Ausnahmen abgesehen.

Das Haus der Innovation, ein fünfgeschossiger Bau in München-Schwabing, ist so eine. Dort sitzt Hyve, "the innovation company". Die Firma, vor 16 Jahren als Start-up gegründet, entwickelt mit 72 Mitarbeitern Produktneuheiten für Großkonzerne, von Adidas und Airbus bis zu Vodafone und Volkswagen. Open Innovation lautet das Motto, ein erstmals geübter Ansatz, der versucht, sich in einem offenen Entwicklungsprozess an den wahren Wünschen der Kunden zu orientieren. Nicht an den zumeist nutzlosen Markterhebungen.

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Schon der Name soll Programm sein. Hyve, erläutert Michael Schmidt, ein drahtiger, hochtouriger 49-Jähriger und einer von drei CEOs, sei eine Wortmischung aus "Hive" für Bienenstock und "Hype", weil man bienenfleißig sein und Trends erschaffen wolle. Was dem Erfinderteam um Schmidt gerade mit seiner Virtual-Reality-Fitnessstation "Icaros" gelungen ist: ebenfalls Gold beim Designpreis.

Das Objekt steht in einem kleinen Raum zwischen lauter Büros: ein insektenartiges, vierarmiges weißes Metallgestell auf schwarzem Sockel, komplett kabellos und vollkardanisch aufgehängt und damit dreidimensional beweglich, gepolsterte Stützschalen für Unterschenkel und Unterarme.

Wer sich die dazugehörige Virtual-Reality-Brille aufsetzt und sich dem Gestell anvertraut, kann mit der Kraft seiner Bewegungen einen Gleitflug über zackige Berggipfel und durch bizarre Schluchten steuern, mit allen optischen und sensorischen Reizen, bei Bedarf auch im Battle-Modus, gegen Angreifer. Ein schweißtreibender Spaß zum Preis von 7500 Euro.

Die Idee stammt von Johannes Scholl (29), er wollte "Spiel und Training verbinden". Jetzt hat er zwei Zielgruppen auf einmal. Über 50 Geräte hat Hyve schon ausgeliefert, zwei hat die Lufthansa geordert, Samsung betreibt sie in den Stores, in denen die Brillen angeboten werden. Auf der vergangenen Consumer Electronics Show in Las Vegas hätten sie Begeisterungsstürme ausgelöst, sagt Designer Scholl. Die Kommentare: cool, Wahnsinn, macht Bock! Das fand auch die Jury.

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