Samstag, 1. Oktober 2016

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Vermögende in Deutschland Weide, Wald und Weinberg statt Dollar, Dax und Derivat

Ländereien als Investment: Die Waldmeisterschaft der deutschen Wirtschaftselite
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DPA

Egal ob Weiden, Wälder oder Weinberge - vermögende Deutsche legen sich in aller Welt ausgedehnte Güter zu. Das Land selbst ist weitgehend ausverkauft, die Preise steigen. Ein fruchtbares Geschäft.

Auf die Frage, wie viele Kühe er besitze, reagiert Daniel Hopp ziemlich hilflos. "Vielleicht 300", rätselt er und schaut achselzuckend zu seinem Berater Rainer Marquart hinüber. "Nein, nein, Daniel", korrigiert der lachend, "es sind mindestens 3000."

Wo seine drei Milchfarmen mit insgesamt 1500 Hektar liegen, weiß Hopp auch nicht so genau. "Irgendwo im Süden Neuseelands." Woher sollte der 33-Jährige die Region schon kennen? Er war ja noch nie dort, er fliegt nicht gern lange Strecken.

Daniel Hopp, Sohn des SAP-Mitbegründers Dietmar Hopp und Jungunternehmer in Mannheim, überlässt die Betreuung seiner Latifundien im Wesentlichen Ex-BCG-Consultant Marquart. Der reist drei- oder viermal im Jahr ans andere Ende der Welt und sieht nach dem Rechten. Ein knallhartes Geschäft sei das, schließlich müsse man sich um tausend Details kümmern, von der Einstellung des Personals bis zur Überprüfung der Buchhaltung. "Aber das Engagement rechnet sich."

Sogar sehr: Die Rendite aus dem Milchverkauf beträgt 4 bis 5 Prozent vor Steuern. Dazu kommt die Wertsteigerung des Bodens von zuletzt weit mehr als 10 Prozent im Jahr und der glückliche Umstand, dass der neuseeländische Dollar beim Kauf der Bauernhöfe 2011 recht niedrig lag. "Eines unserer besten Investments seit Jahren", freut sich Hopp.

Dabei ging es ihm bei seinem Einstieg in die Landwirtschaft - der ihn schätzungsweise 30 Millionen Euro kostete - weniger um einen möglichst hohen Ertrag. Vielmehr suchte er bei Ausbruch der globalen Finanzkrise eine Alternative zum taumelnden Euro und Schutz vor Inflation.

Deutschlands halbe Industrieelite setzt auf Agrar-Flächen

Das grüne Gold! Seit fünf bis sechs Jahren gibt es einen regelrechten Run auf Wiesen, Wälder und Weinberge. Amerikanische Pensionsfonds und chinesische Staatskonzerne sind dabei, ebenso wie Privatinvestoren - alle mit dem Ziel, ihr Vermögen zu diversifizieren und gegen die Unwägbarkeiten der Märkte abzusichern.

Tchibo-Erbe Günter Herz hat sich in Argentinien eingekauft. Heinz Herrmann Thiele, Eigentümer von Knorr-Bremse, züchtet in Uruguay 8500 Rinder, zudem gehört ihm eine Mangoplantage mit 350.000 Bäumen in Südafrika. Logistikunternehmer Heinz Fiege nennt in Ostdeutschland 4700 Hektar und fast 5000 Kühe sein Eigen. Und der frühere MLP-Chef Bernd Termühlen ist mit mindestens 20.000 Hektar einer der größten Landbesitzer in Europa. "Die Hälfte aller deutschen Industriellenfamilien" verfügt nach Einschätzung Simon Wolks vom Landwirtschaftsunternehmen Germanagrar "mittlerweile über Agrarimmobilien".

Die Preise steigen, egal ob für Maisfelder, Baumbestände oder Rebflächen. Ein Ende dieses Trends ist bislang nicht abzusehen, denn Land wird ständig knapper. Klimawandel, Urbanisierung, Bodenerosion und Verschmutzung - Detlef Schön, Leiter des Farmbereichs bei der Investmentgesellschaft Aquila Capital, rechnet vor, "dass jeden Tag 30.000 Hektar an Nutzfläche verloren gehen, während zugleich die Weltbevölkerung um 200.000 Menschen wächst".

Experten wie Andreas Renner von der Berenberg Bank empfehlen, "in ein ausgewogenes Portfolio immer Agrarland aufzunehmen". Manche Spezialisten raten zu einem Anteil von 5 Prozent am Gesamtvermögen, andere - wie Aquila-Manager Schön - im Einzelfall sogar zu 10 Prozent.

Interessenten können auch Anteile von Aktiengesellschaften erwerben oder sich an Fonds beteiligen. Die meisten Investoren ziehen allerdings den direkten Zugriff auf ihr Eigentum vor.

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