Mittwoch, 31. August 2016

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Establishment - die neuen Machtzirkel der Republik Deutschlands wichtigste Netzwerke

Deutschlands Machtzirkel: Die wichtigsten Netzwerke der Republik
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REUTERS

Kamingespräche mit Ministern waren gestern. In der Republik gibt eine neue Elite den Ton an. Die Netzwerke sind offener, bunter und strikt leistungsorientiert. Nur wer inhaltlich etwas zu bieten hat, ist dabei.

Judith Rakers kämpft. Tapfer moderiert die "Tagesschau"-Sprecherin gegen trommelnde junge Frauen an, die an Seilen unter der Decke schweben. Unitymedia nebst Konzernmutter Liberty Global Börsen-Chart zeigen hat für diesen Abend ins E-Werk geladen, zu einem jener Empfänge, die es in Berlin an jedem Tag im halben Dutzend gibt. Und die nicht selten ein gefühltes Jahr dauern. 350 Gäste sind gekommen.

Selbstredend wird der "Made in.de-Award" an ein Start-up verliehen, Sieger sind die Carsharing-Tüftler von Carzapp. Von den Nominierten einmal abgesehen, sind Gründer an diesem Abend leider Mangelware. Constanze Buchheim ist da, Geschäftsführerin der Personalberatung i-Potentials, Thomas Bachem vom Bundesverband Deutsche Startups. Als einziger echter Internetpromi geht Lars Hinrichs durch, der auf Einladung von PR-Dame und Event-Schöpferin Alexandra von Rehlingen aus Hamburg angereist ist, aber am liebsten über sein vernetztes "Zukunftshaus" spricht.

Lutz Schüler lässt sich nicht die Laune verderben. Aufgekratzt schwärmt der Unitymedia-CEO vom "Riesenpotenzial" und von "jungen Hoffnungsträgern". Und ist als vermutlich Einziger im Saal der Meinung, ein Berliner Spitzenevent zu erleben - kein Wunder, seine Firma sitzt in Köln.

Zu den großen Galas mit Frontalprogramm geht, wer ausreichend Zeit hat, und das sind immer seltener die Wichtigen. Bei "Made in.de" tummelt sich: etwas Adel, bisschen Bundestag, die Ex-Boxerin Regina Halmich, Joachim Hunold, Schauspielsternchen und ein beachtlicher Teil der Berliner Bürokratie.

Jentzsch, Crespo, Hebenstreit: Sponsoren für das C/O Berlin

Keine fünf Kilometer vom überdrehten Mitte entfernt und doch wie aus einem anderen Universum, im wieder angesagten bundesrepublikanischen Westen, strahlt dagegen die derzeit coolste Location der Stadt: C/O Berlin, Ausstellungshaus für Fotokunst im ehemaligen Amerika Haus am Bahnhof Zoo. Stephan Erfurt, einst Gestalter des "FAZ-Magazins" und sozialisiert in den New Yorker Klubs der 80er, will die besten Fotografen der Welt nach Berlin holen. Zu den sieben Ausstellungseröffnungen pro Jahr (Sebastião Salgado, Anton Corbijn), Eintritt frei, strömt die halbe Stadt.

Seine Bildwelten finanziert Erfurt mit privaten Sponsoren; wer auf sich hält im neuen Berlin, ist dabei: der ehemalige Goldman-Sachs-Banker Stefan Jentzsch, Wella-Erbin Ulrike Crespo, Internetunternehmer Kolja Hebenstreit, Sebastian Turner, Sanofi-Aventis-Statthalter Stefan Oelrich oder auch Neu-und-immer-noch-Jungunternehmer Lars Windhorst. Gönner und andere Promigäste werden eine Stunde vor der offiziellen Eröffnung eingelassen - später stehen sie neben Studenten und Touristen, ohne VIP-Absperrung.

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