Donnerstag, 18. Oktober 2018

Neue deutsche Uhren-Manufakturen Mein ist das Werk

Deutsche Uhren-Manufakturen: Unabhängig von der Schweiz
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Junge deutsche Manufakturen hat der Ehrgeiz gepackt: Sie wollen unabhängig werden vom Werkelieferanten Schweiz.

Münster - Die Gegend hier will so gar nicht zum üblichen Habitat der Gattung Uhrmacher passen. Statt hoher Berge und verwunschener Wälder wie im Jura oder im Erzgebirge nur plattes Land, ein breiter Schifffahrtskanal, an seine Ufer hingestreut ein paar betagte Handelshäuser. In einem davon sitzt der noch junge, aber schon recht feine Uhrenhersteller Meistersinger. In Münster. Inmitten des norddeutschen Tieflands.

Hierher hat Inhaber Manfred Brassler (60), ein aus München gebürtiger Kaufmann, zur Präsentation seines neuen Uhrwerks geladen. Der Andrang ist groß: Ein eigens entwickeltes Uhrwerk aus deutscher Manufaktur jenseits des Schweizer Chronometer-Biotops und außerhalb des sächsischen Glashütte darf schon als kleine Sensation gelten.

Und tatsächlich: Das MSH01, so der nüchterne Name des Motors für das neue Modell "Circularis", eine Einzeigeruhr, wie sie bei Meistersinger üblich ist, erfüllt mit Konstruktion, Technologie und Ästhetik alle Erwartungen der anspruchsvollen Gäste. Die Runde der gestrengen Fachsimpler, die sich im Konferenzraum versammelt hat, kann ihre Bewunderung nicht verhehlen.

Es tut sich was in der deutschen Uhrenbranche. Immer mehr Manufakturen gehen daran, ihre eigenen Werke zu entwickeln und zu industrialisieren, die Königsdisziplin der Uhrmacherei. Der neue Erfindungsreichtum ist nicht ganz freiwillig: Die Swatch-Group-Tochter ETA, die traditionell die ganze Zunft mit Werken versorgt hat, fährt, wie vor rund zehn Jahren angekündigt, ihre Lieferungen immer weiter zurück. Für viele abhängige Uhrenhersteller eine heikle Situation.

Das eigene Ding, koste es, was es wolle

Doch es ist nicht allein der drohende Lieferstopp, der Schwung in die Zunft bringt. Einer jungen Generation von Uhrvernarrten genügt es inzwischen nicht mehr, bei den Schweizern Trittbrett zu fahren und wieder und wieder die altbekannten Werke mit mehr oder weniger einfallsreichen Zutaten an Zifferblättern und Gehäusen zu versehen. Viele möchten ihr eigenes Ding versuchen, koste es, was es wolle. Das große Ziel: sich unabhängig machen.

Vorreiter dieser Befreiungsbewegung ist dann doch wieder eine Firma aus Glashütte: Nomos, die 1990 gegründete Vorzeigemanufaktur in dem ostdeutschen Städtchen, hat es gerade geschafft, erstmals sogar ein Werk mit eigenem Schwingsystem zu versehen.

Aber Nomos befindet sich längst in bester Gesellschaft. Der Hamburger Juwelier Wempe hat - anfangs mithilfe der Nomos-Konstrukteure - eine eigene Uhrenlinie (Zeitmeister) entwickelt, ebenso wie der Schwarzwälder Maschinenbauer Markus Lehmann oder die Herren Peter Nikolaus (55) und Ivica Maksimovic (61), die ihre Marke Zeitwinkel mit eigenen Werken bauen. Oder die Glashütter Firma Mühle, die zum 145. Jubiläum ein eigenes Kaliber anbietet. Die Liste wird immer länger.

"Eine kleine Revolution", sagt der Goldschmied Martin Mandl (44) und meint damit den Neuanfang seiner Münchener Uhrenwerkstatt Leinfelder, die zusammen mit dem Partner Uhren-Werke-Dresden (UWD) ein eigenes Werk entworfen hat. Ab Frühjahr wird es in 50 Exemplaren des Modells "Elysium classic" zu haben sein.

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