Dienstag, 27. Juni 2017

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Teilverkauf von DWS und Vermögensverwaltung Der wackelige Börsenplan der Deutschen Bank

Missmanagement im Asset Management: Gesteigertes Unvermögen
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Mit ständigen Strategiewechseln und Führungsversagen hat die Deutsche Bank ihr Asset Management und die früher strahlende Marke DWS heruntergewirtschaftet. Kunden und Talente sind auf der Flucht. Dem geplanten Börsengang fehlt eine überzeugende Story.

Die folgende Geschichte stammt aus der Ausgabe 5/2017 des manager magazins, die Ende April erschien. Wir veröffentlichen sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Es war einer der fröhlicheren Momente in der Amtszeit von Deutsche-Bank-Chef John Cryan (56): Eine Baseball-Kappe mit aufgedruckter "3" auf dem Haupt, trat der Brite im September 2015 vor die Belegschaft, um das dritte Jahr der Fusion von Privatbankern und Fondsmanagern des Konzerns zur Deutsche Asset & Wealth Management zu feiern. Wortreich pries Cryan den Zusammenschluss als Erfolg, bezeichnete den Geschäftsbereich als "starke Säule" des Hauses und lobte Spartenchef Michele Faissola (49) an seiner Seite, ebenfalls mit Schirmmütze verkleidet. Nur einen Monat später entließ Cryan eben diesen Faissola und verkündete, dass die Sparte Wealth- und Asset-Management wieder aufgespalten werden solle.

Die Teilung ist inzwischen erledigt, nun stellt sich heraus, dass die Deutsche Asset Management (DeAM) offenbar doch keine so wichtige Säule des Konzerns mehr ist. Die Vermögensverwaltung soll innerhalb der nächsten 24 Monate an die Börse gehen. Der angepeilte Verkauf eines Viertels der Aktien ist die neueste Volte in der strategischen Irrfahrt des Konzerns und seiner Vermögensverwaltung, die in Deutschland mit ihrer Marke DWS bekannt ist.

Statt mit den stetig fließenden Erträgen ein stabiles Gegengewicht zum krisen- und skandalanfälligen Investmentbanking zu bilden, muss die Sparte nun dafür herhalten, dringend benötigtes Kapital für die Bank zu beschaffen, das zuvor in der Investmentbank verbrannt wurde.

Eine solide Börsenstory lässt sich indes kaum schreiben. Statt zu wachsen, schrumpften die Kundengelder allein 2016 um 38 Milliarden auf 706 Milliarden Euro, ein Minus von 5 Prozent. Die Zuständigkeiten wechselten zuletzt immer schneller. Das Missmanagement bei Deutschlands größter Fondsgesellschaft treibt inzwischen reihenweise Kunden und Topleute in die Flucht.

Das Versagen der Deutschbanker reicht zurück in die Ära Josef Ackermanns (69). An der Spitze des Asset Managements installierte er 2004 den Investmentbanker Kevin Parker (57) - der dort derart unkontrolliert walten konnte, dass die Sparte an einen Selbstbedienungsladen erinnerte. Wer gehen wollte, bekam zum Dank noch Milliarden Kundengelder für das eigene Fonds-Start-up mit auf den Weg - etwa Fondsmanager Oliver Kratz (Global Thematic Partners und DWS Global Agribusiness), Asien-Chef Ed Peter sowie die Chefin für quantitative Investments, Janet Campagna.

Kevin Parker musste 2012 gehen und kann sich seitdem verstärkt um sein bereits 1997 gegründetes Weingut im Languedoc kümmern. Seine Adjutantin Roelfien Kuijpers indes bekam gerade eine neue, herausgehobene Rolle: Sie gehört nun dem obersten Führungszirkel der DeAM an, dem Executive Committee, und darf weiterhin von Manhattan aus Kunden betreuen, auch wenn das Geld in Frankfurt verdient wird.

Parkers Nachfolger als Chefvermögensverwalter war ebenfalls ein Investmentbanker: Der Anshu-Jain-Vertraute Michele Faissola. Er sollte für Jain und dessen Co-Chef Jürgen Fitschen (68) die mit dem Private Banking fusionierte Sparte verkaufsfertig machen. Der von Cryan 2015 installierte Faissola-Nachfolger Quintin Price (55) separierte das Geschäft dann wieder und verdiente sich dabei bald einen Ruf als Fehlbesetzung. Der Engländer interpretierte seinen CEO-Posten eher als Chairman-Rolle. In Frankfurt war der ehemalige Blackrock-Manager selten zu sehen.

Als sich Präsenz und Engagement von Price auch wegen privater Schicksalsschläge noch weiter verringerten, musste Cryan handeln. Seine Wahl fiel auf den Axa-Manager Nicolas Moreau (51), den ein Headhunter ins Spiel gebracht hatte. Als seine Hauptqualifikation für die neue Rolle gilt, dass er Erfahrung mit der Integration von Unternehmen hat.

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