Mittwoch, 22. August 2018

Wie Deutschlands Konzerne ihre Innovation neu organisieren Design Thinking - eine neue Denkschule erobert Deutschlands Strategie-Abteilungen

An der Spitze der "Design-Thinking-Bewegung" in Deutschland: Der SAP-Gründer und -Aufsichtsratschef Hasso Plattner, hier auf dem Dach des Landtagsneubaus in Potsdam.

3. Teil: Ein bisschen so cool wie Apple

Bei der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen werden schon die Trainees an die neue Technik herangeführt. Die Jungbanker befragen dann im Rahmen von Design-Thinking-Projekten Passanten im Einkaufszentrum zu ihren Gewohnheiten. Für viele "eine wertvolle Erfahrung", sagt Katharina Berger, die das konzerneigene D-Team leitet, "denn sie müssen sich so ganz tief in einen Kunden hineinversetzen".

Der Pharmakonzern Bayer Börsen-Chart zeigen beordert bisweilen Künstler in die Kurse, damit sie die Ideen der Mitarbeiter in einer Art Brainstorming-Graffito zu Papier bringen.

Fraport Börsen-Chart zeigen hat zusammen mit der Design School in Potsdam einen neuartigen Handgepäck-Trolley entwickelt, mit dem Passagiere direkt durch den Sicherheitsscanner gehen können. Da sich darauf auch Flüssigkeiten oder Laptops platzieren lassen, würde das Zeit und Nerven kostende Fließbandchaos entfallen.

Neben solchen Einzelprojekten geht es vielen Firmen um einen grundsätzlichen Kulturwandel. Es ist vor allem die Fast-Forward-Taste der Digitalisierung, die die Deutschland AG zum Umdenken zwingt. Der rasante Wandel macht Angst. "Viele Konzerne müssen sich neu erfinden, fürchten aber, dafür nicht kreativ genug zu sein", sagt Sam Yen, Chief Design Officer bei SAP in Palo Alto. Da scheint eine Innovationsmethodik aus dem Silicon Valley, die auch von den Tech-Vorbildern wie Apple und Google praktiziert wird, gerade recht zu kommen. Vielleicht färbt so ja ein wenig Coolness ab? Disruption, Baby! Die Nachfrage lässt sich jedenfalls kaum befriedigen. Absolventen der Design Schools werden vor allem von US-Unternehmen händeringend gesucht. Dabei erwirbt man bloß eine Zusatzqualifikation und keinen Abschluss, die Kurse werden nebenbei besucht.

Allein an der d.school der kalifornischen Stanford University, dem Mekka der Design-Thinking-Jünger, kommen auf einen Platz mindestens drei Elitestudenten. Wenn ein Unternehmen dort ein Problem zur Lösung einreichen darf (die Studenten erlernen die Technik an "Challenges" aus dem echten Leben), kann es sich als auserwählt betrachten.

In Potsdam zahlen Firmen 50.000 Euro pro Projekt, dieses Semester haben sich unter anderem Volkswagen, Bosch und die Deutsche Bahn durchgesetzt. Die örtliche Business-Akademie zählt seit 2013 über 5000 Teilnehmer.

Die Berliner Möbelfirma System 180 hat mit der DT-Line bereits eine materialisierte Antwort auf den Hype gefunden: Sie nimmt Bestellungen für rollendes Design-Thinking-Mobiliar entgegen. Ein Symbol der "Bewegung", heißt es im Werbeprospekt. Der Medienunternehmer Sebastian Turner soll sich ein solches Stück sogar ins Wohnzimmer gestellt haben.

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