Montag, 11. Dezember 2017

Was macht eigentlich... Jost Stollmann - der Unternehmer, der einst SPD-Wirtschaftsminister werden sollte?

Zweite Karriere down under: Jost Stollmann bleibt seinem Fintech-Unternehmen in Australien trotz eines internen Konflikts treu.

Der Ex-Schattenminister und Multimillionär muss als IT-Unternehmer in Australien eine Niederlage verkraften.

Vor ein paar Wochen ergriff Jost Stollmann (62) wieder mal die Flucht, nach Griechenland, in die Heimat seiner Gattin Fiona: Segeln mit Familie und Freunden. Aufs Boot, aufs Meer - er brauchte eine Auszeit.

So wie 2002, als er nach dem Verkauf seines EDV-Dienstleisters CompuNet an GE mit seiner Frau und den fünf Kindern um die Welt segelte. In Australien kauften sie danach eine prachtvolle Villa in Sydneys teuerstem Viertel Double Bay; Stollmann stieg bei Tyro ein, einem Start-up, das für kleinere Unternehmen Kartenzahlungen abwickelt.

Anders als weiland war Stollmanns Segeltrip diesmal aber keine Belohnung, sondern die Verarbeitung einer Niederlage: Mitte Juni hatte er seinen Job beim Fintech Tyro als Executive Director gegen einen Sitz im Aufsichtsrat tauschen müssen.

Künftig sollen andere Manager die hochfahrenden Ziele des Kartenzahlungsabwicklers erreichen, die Stollmann unverdrossen formuliert ("Es gibt keinen Grund für Zweifel"). Tyro soll ins Kernsegment der großen Banken in Australien einbrechen, das Geschäft mit Einlagen und Krediten. "Von den Fintechs sind 80 Prozent Pflanzenfresser, die mit den Banken koexistieren wollen, der Rest sind Fleischfresser wie wir", sagt Stollmann, inzwischen mit leichtem Aussie-Akzent. Wegen solch kerniger Sprüche holte ihn 1998 der spätere Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD, 73) in sein Schattenkabinett. Wirtschaftsminister wurde er dann trotzdem nicht.

Jost Stollmann bei einem Wahlkampfauftritt 1998 mit dem späteren Bundeskanzler Gerhard Schröder. Sein deutsches Politabenteuer beendete er nach einem Streit mit Parteilinken.
picture-alliance / dpa
Jost Stollmann bei einem Wahlkampfauftritt 1998 mit dem späteren Bundeskanzler Gerhard Schröder. Sein deutsches Politabenteuer beendete er nach einem Streit mit Parteilinken.

Stollmanns australische Enttäuschung hat ebenfalls mit Gerd S. zu tun, diesmal heißt er Schenkel mit Nachnamen. Den 48-jährigen Deutschen hatte Stollmann erst Ende 2016 als CEO und designierten Nachfolger eingesetzt, nach nur acht Monaten ging er schon wieder. "Es hat kulturell nicht gepasst", sagt Stollmann. Schenkel wird konkreter: "Wenn Unternehmen wachsen, muss die Entscheidungsfindung verteilt werden, nicht zentralisiert." Hat Stollmann seinem CEO also zu viel reingequatscht? Er sagt nur: "Dass diese Nachfolge nicht gelungen ist, ist ein Misserfolg für Gerd Schenkel, mich und das Board."

Dass Tyros Attacke auf die Banken gelingt, ist für Stollmann vermögensrelevant. Er hält selbst 16 Prozent. Als der US-Tech-Fonds Tiger Global (berühmt als einer der ersten Facebook-Investoren) 2015 zusammen mit anderen Finanziers ein Fünftel der Anteile zeichnete, bewerteten sie Tyro mit umgerechnet rund 340 Millionen Euro. Für einen reinen Zahlungsverkehrsdienstleister mit heute 96 Millionen Australischen Dollar Umsatz deutlich zu viel.

Mit einer Rolle als Aufsichtsrat, Investor, Segler und bei großen Turnieren stets mitreisender Fan der deutschen Fußball-Nationalmannschaft will sich Stollmann nicht bescheiden. Er sieht sich weiter als "Unternehmer". Es wird also wohl schon bald ein weiteres Stollmann-Start-up geben. Dann aber bestimmt ohne einen Gerd im Team.

© manager magazin 9/2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH