Donnerstag, 19. Juli 2018

Buchtipp über die Krake Fifa Erhellende Lektüre über den Blatter-Komplex

 Master & Servants Fifa-Funktionäre Beckenbauer und Blatter (v.l.)
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Master & Servants Fifa-Funktionäre Beckenbauer und Blatter (v.l.)

David Conn entschlüsselt das Machtsystem des Fifa-Imperiums. Chronik eines organisierten Skandals.

Die Musik, mit der das Finale des Confed Cups vor ein paar Wochen eingeleitet wurde, offenbarte einen Moment nie vermuteter Selbstironie der Fifa. Ennio Morricones Titelmelodie des Italowestern "Für eine Handvoll Dollar" dröhnte durch das Stadion in St. Petersburg, als die Funktionäre des Weltfußballverbands den Pokal ihres Marketingevents präsentierten.

Buchtipp

David Conn
The Fall of the House of Fifa (Englisch)


Yellow Jersey Press, 320 Seiten, gebunden, Juni 2017, 13,99 Euro

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Knapper und treffender hätten sie den Stoff, der ihre eigene Organisation zusammenhält und zugleich zersetzt, kaum umschreiben können. David Conn, preisgekrönter Sportreporter bei der Londoner Tageszeitung "The Guardian", braucht dafür statt ein paar lässig dahinkomponierter Noten mehr als 300 Buchseiten.

Es hätten durchaus ein paar mehr werden können, für die Geschichte des Sepp Blatter, der erst als Generalsekretär und später als Präsident mehr als vier Jahrzehnte lang die Geschicke der Fifa bestimmte. Der aus einer unter chronischem Geldmangel leidenden Organisation ein Wirtschaftsimperium formte und seine Macht durch ein enges Geflecht aus Kick-back- und Schmiergeldzahlungen absicherte.

Der obskure Funktionärsgestalten wie Chuck Blazer und Jack Warner großzog und Idole wie Michel Platini und Franz Beckenbauer für sich einspannte. Und der am Ende von seinem eigenen Regime in einem ultimativen Akt der Gier (der Kauf der beiden kommenden Weltmeisterschaften durch Russland und Katar) hinweggefegt wurde.

Conns Buch ist ein Lehrstück über die Folgen, die unkontrollierte Geldzuflüsse in ein System ohne ausreichende Kontroll- und Sicherungsmechanismen haben können - präzise und detailreich aufgeschrieben.

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Wobei die Stärke gleichzeitig auch die Schwäche des Werks ist. Conn kommt seinen Figuren nicht wirklich nahe. Er lässt sie hinter den Fakten verschwinden, was die Lektüre streckenweise etwas mühsam macht. Dennoch: Eine erhellendere Erzählung über Aufstieg und Fall des Kraken Fifa lässt sich derzeit nicht finden.

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