Montag, 19. November 2018

Dara Khosrowshahi Dieser Mann soll Uber auch in Deutschland hoffähig machen

In zwölf Jahren als CEO vervierfachte Dara Khosrowshahi den Unternehmenswert von Expedia.

5. Teil: Seine Herkules-Aufgabe bei Uber

Am vergangenen Sonntag sickerte durch, dass der Expedia-Chef künftig das Amt beim Fahrdienstvermittler Uber übernehmen soll. Bislang zählte er nicht zu den Kandidaten für den Uber-Chefposten. Insider dagegen handelten Hewlett-Packard-Vorstandschefin Meg Whitman als mögliche Nachfolgerin für Travis Kalanick. Whitman selbst hatte ein Interesse an dem Job aber bestritten. Auch der Chairman von General Electric, Jeff Immelt, hatte erklärt, nicht länger an dem Posten interessiert zu sein.

Uber gibt es seit 2009. Mitte Juni 2016 war der Dienst in 471 Städten vertreten. Der Wert des Konzerns wird aktuell von Investoren auf mehr als 70 Milliarden Dollar geschätzt. Uber zählte damit zu den wertvollsten privaten Start-Ups der Welt.

Für Schlagzeilen sorgte Uber auch wegen seiner umstrittenen Unternehmenskultur: So befragte im Frühjahr 2017 die "New York Times" mehr als 30 ehemalige und derzeitige Uber-Angestellte und beschrieb die Unternehmenskultur im Ergebnis als "hemmungslos".

Diverse Baustellen sind zu schließen

Gnadenlose Konkurrenzkämpfe und Ungleichbehandlung innerhalb der Mitarbeiterschaft sind keine Seltenheit. Auch rechtliche Konflikte setzten Uber in den vergangenen Monaten unter Druck: Wegen sexuellen Missbrauchs und Diskriminierungsklagen wurden zahlreiche Mitarbeiter sowie Manager entlassen. Auch der umstrittene Uber-Mitgründer Travis Kalanick musste auf Druck von Investoren seinen Chefposten im Juni räumen.

An Gesetzen in Europa wird sich der neue Chef die Zähne ausbeißen: In vielen europäischen Ländern ist der Dienst "UberPop" illegal - darunter Italien, Holland und Deutschland. Bei "UberPop" bieten Privatleute Taxifahrten mit ihrem eigenen Auto an. Den Fahrern fehlt dafür jedoch die Lizenz. Ein Frankfurter Gericht urteilte deshalb im Juni 2016, das Geschäftsmodell verstoße gegen das Personenbeförderungsgesetz. Demnach müssen Fahrer unter anderem nachweisen, dass sie gesund sind und die Straßen in ihrer Stadt kennen. Ubers größter Wettbewerbsvorteil ist damit hin. Der neue Chef könnte nun gegen das Urteil Revision einlegen, müsste sich aber gleichzeitig mit dem Widerstand der Taxilobby herumkämpfen.

Dara Khosrowshahi soll diese Schwierigkeiten und Kontroversen nun mit einer ähnlichen Erfolgsstrategie wie bei Expedia aus dem Weg schaffen. Innerhalb eines Vorstandsmeetings bei Uber sei er als besonders friedlicher Kandidat beschrieben worden. Khosrowshahi hat diverse Baustellen: Mehrere Gerichtsverfahren sind zu überstehen, das Arbeitsklima liegt am Boden. Und die Vorstandsetage ist nahezu verwaist - hier muss er sowohl einen neuen COO als auch einen neuen Finanzchef finden.

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