Freitag, 15. Dezember 2017

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Commerzbank-Strategie Commerzbank soll zur besseren Sparkasse werden

Commerzbank-Strategie: Auf dem Weg zur Großsparkasse?
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REUTERS

Der neue Commerzbank-Chef Martin Zielke verwandelt das Frankfurter Geldhaus in eine bessere Sparkasse. So ist sein Plan.

Ende der Woche veröffentlicht die Commerzbank ihre neue Strategie. Der folgende Text stammt aus der Juli-Ausgabe des manager magazins. Wir veröffentlichen ihn hier ausnahmsweise als Kostprobe auch für Nicht-Käufer des Magazins. Damit Ihnen künftig keine "Wirtschaft aus erster Hand" mehr entgeht, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Im Februar, draußen war es kalt und glatt, rutschte Commerzbank-Chef Martin Zielke (53) auf dem Weg zu einem Klienten aus und schlug hin; ein stechender Schmerz fuhr ihm in die Schulter und zwang ihn zurück in den Dienstwagen. Dort angekommen, verdoppelte sich sein Malheur: Die gebrochene Schulter kugelte aus. Die Pein nahm überhand, den Kundenbesuch musste Zielke absagen.

Eine längere Pause hat Zielke wegen des Arbeitsunfalls dennoch nicht eingelegt. Der Mann hat schließlich Nehmerqualitäten. Das muss er auch, denn anders ließe sich sein Job wohl kaum aushalten: Sein Vorgänger Martin Blessing (52) hat ihm ein Himmelfahrtskommando vererbt.

Seit sich der langjährige Vorstandschef Ende April mit der ersten Dividende seit 2007 verabschiedet hat, hagelt es schlechte Nachrichten. Kaum im Amt, musste Zielke für das Startquartal 2016 einen Ergebniseinbruch von 52 Prozent und eine Gewinnwarnung für das Gesamtjahr vermelden. Dann kam heraus, dass die Commerzbank Börsen-Chart zeigen in zweifelhafte Aktiengeschäfte (Cum-ex, Cum-cum) verstrickt war. Das Geldhaus hat dem Staat, der es 2009 mit Steuermilliarden retten musste, jahrelang Steuern in Millionenhöhe vorenthalten.

Blessings gut inszenierter Abgang - und nun türmen sich die Probleme

In der Topetage sind sie sauer auf Blessing - oder neidisch. Der Ex-CEO hat die Bank gut inszeniert als Strahlemann über den roten Teppich verlassen, ab Herbst genießt er als Schweiz-Chef der Züricher UBS Alpenpanorama und ein Vielfaches an Gehalt.

In der alten Heimat dagegen türmen sich die Probleme. Trotz schmissiger Werbekampagnen und der günstigen Fügung, dass die notorische Skandalnudel Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen fast alle Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist spätestens seit Blessings Demission offenkundig: Die Commerzbank ist in niederschmetternder Verfassung:

  • Das Massengeschäft, das Zielke seit 2010 verantwortete, lockt immer neue Kunden an, wirtschaftet aber viel zu teuer.
  • Die Mittelstandsbank ist im Sinkflug, Spartenvorstand Markus Beumer (51) angeschlagen.
  • Die Konzern-IT ist auf dem Stand von vorgestern und muss generalüberholt werden - bei gleichzeitig knappen Investitionsmitteln.

Nach langem Überlebenskampf ist die Commerzbank gefühlt auf das Maß einer Großsparkasse geschrumpft. Die Kapitalrendite von 2,8 Prozent ist weit entfernt von den einst selbst verordneten 10 Prozent; der kursschonende Ausstieg des Bundes, der noch 15 Prozent hält, bleibt eine Schimäre. Im Dax gibt es nur zwei Konzerne, die weniger wert sind. Die Verzwergung der Commerzbank ist weit vorangeschritten.

Der düstere Befund kontrastiert mit einer merkwürdigen Selbstzufriedenheit, die sich breitgemacht hat. Im Vorstand sitzen fast nur langjährige Commerzbanker. Man geht pfleglich miteinander um; kreative Streitkultur gab es schon unter Blessing nicht. Die Krise des Heimrivalen Deutsche Bank sorgt für stille Häme und entspannte Stimmung.

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