Montag, 20. November 2017

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Commerzbank-Strategie Commerzbank soll zur besseren Sparkasse werden

Commerzbank-Strategie: Auf dem Weg zur Großsparkasse?
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3. Teil: Ein neuer Strategiechef - und das Masterplan-Mandat für McKinsey

Für Ideen soll Strategiechef Jörg Hessenmüller (45) sorgen. Eine typische Commerzbank-Lösung: Als CFO der Polen-Tochter M-Bank ist er nicht durch große Würfe aufgefallen, sondern als Controller. Das Masterplan-Mandat für den Konzernumbau haben die Consultants von McKinsey, immerhin.

Mit dem Kuschelkurs wird es bald vorbei sein, vor allem in der Mittelstandsbank. Die war lange ertragsstärkste Sparte, dank extrem niedriger Risikovorsorge sowie hochverzinster Unternehmenskredite. Die aber laufen jetzt aus, während die Vorsorge für Darlehensausfälle steigt. Zugleich schwindet die Nachfrage nach Krediten: Weil die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank die Zinsen drücken, können sich Unternehmen direkt und billigst am Bondmarkt refinanzieren.

Die Magerzinsen erschweren auch der Truppe um Thorsten Kanzler (52) das Geschäft. Der Bereichsvorstand Group Treasury war bisher ein heimlicher Star, weil er durch den geschickten Einsatz überschüssiger Liquidität an den Kapitalmärkten jährlich dreistellige Millionenbeträge hereinholte, mit denen anderswo Löcher gestopft wurden, ohne dass die Zahlen in der Bilanz einzeln ausgewiesen werden.

Mittelstandsbank unter Druck - Firmen bedienen sich am Bondmarkt

Zum Verdruss tragen zusätzlich die personellen Fehlentscheidungen von Spartenchef Beumer bei. Per ultimo 2015 hatte er Michael Kotzbauer (48) zum Bereichsvorstand im Financial-Institutions-Geschäft (FI) mit Korrespondenzbanken ernennen wollen. Das Business gilt als heikel, seit US-Behörden die Commerzbank wegen Sanktionsverstößen und Geldwäschevorwürfen zu 1,2 Milliarden Euro Strafe verdonnerten.

Als ihm auffiel, dass Kotzbauer Amerikaner ist und damit noch gewissenhafter von den Watchdogs aus Washington beäugt würde, drehte Beumer bei und wollte stattdessen Sascha Klaus (45), erfolgreicher Abwickler der Tochter Eurohypo, zum Bereichsvorstand machen. Dem aber war bereits die viel bedeutendere Leitung des Corporate Banking versprochen worden. Jetzt macht der Deutsche Bernd Laber (52) den heiklen FI-Job, Kotzbauer das Corporate Banking. Klaus hat den Konzern per Juni angesäuert verlassen.

Sein Ungeschick brachte Beumer Minuspunkte bei der Ausschreibung des CEO-Jobs ein. Nun erwarten viele, dass er sich nach einem anderen Arbeitgeber umsieht.

Bei der Commerzbank jedenfalls wird Beumer zur tragischen Figur. Auf der Suche nach neuen Erlösquellen jenseits des magerzinsgeplagten Europa kündigte er jüngst an, mit einer neuen Tochter das Firmenkundengeschäft in Brasilien aufzurollen - um zugleich einräumen zu müssen, dass das Ex-Boomland in einer "Granatenrezession" steckt. Erst 2011 hatte die Commerzbank, mit Beumers Zustimmung, ihre damalige Brasilien-Tochter Múltiplo verkauft. Seinerzeit war Brasiliens Wirtschaft noch voll auf Expansionskurs.

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