Montag, 17. Dezember 2018

Herno-Chef Claudio Marenzi über Business und Mode "Besser nicht zu intelligent sein"

Claudio Marenzi ist der Inhaber des italienischen Luxusmodeherstellers Herno

Claudio Marenzi, Inhaber von Herno, lebt lieber wild und gefährlich und hält es mit Friedrich Nietzsche.

Das folgende Interview stammt aus der September-Ausgabe 2018 des manager magazins.

Herr Marenzi, woher kommt das Stilempfinden der Italiener, die Leichtigkeit, mit der sie sich auch in den schwersten Stoffen bewegen?

Claudio Marenzi: Ausschlaggebend ist die Eleganz. Sie muss aber natürlich sein, gekünsteltes Getue wird sofort entlarvt. Obendrein will der moderne Mann seine Individualität leben. Ich zum Beispiel fühle mich nur in drei Farben wohl, braun, marineblau und weiß, also trage ich nichts anderes. Manchmal mische ich auch braun und blau, wie bei meinem Porsche Targa.

Heute ist Ihre Stimmung offensichtlich braun. Wie kommt's?

Wenn ich dem Tag meine Farbe geben kann, fühle ich mich einfach besser, ich stehe und rede besser und bin sogar charmanter.

Sie haben gerade Ihr 70-jähriges Firmenjubiläum gefeiert, in welcher Farbe?

Blau ist die Farbe des Wassers. Unsere Geschichte, unser Erbe, alles dreht sich darum, sogar unsere Marke ist nach dem Erno benannt, an dem unser Werk liegt. Der Fluss fließt in den See, den Lago Maggiore, auf den hinaus mein Haus gebaut ist. Ich schwimme darin bei fast jedem Wetter, auch meine Boote liegen da. Wasser ist unser Element, es bestimmt mein ganzes Sein und Tun. Deshalb sind wir auch so leidenschaftlich beim Thema Natur.

Sie gelten als Abenteurer und Grenzgänger, eher ungewöhnlich in Ihrer feinen Branche.

Ich bin ein begeisterter Segler und ein besessener Alpinist. Am liebsten lege ich die Felle an und erobere den Berg mit den Skiern, die anschließende Abfahrt ist einfach unvergleichlich und viel aufregender als Heliskiing. Ob in den Alpen, in Alaska, Japan oder Norwegen, ich war schon überall.

Auch schon begraben unter einer Lawine?

Ich war schon mehrfach in einer gefährlichen Situation, es ging glücklicherweise jedes Mal gut aus, hat mich aber gelehrt, vorsichtiger zu sein. Ich habe schließlich eine Menge Verantwortung. Mittlerweile bleibe ich meist am Monte Rosa, das Massiv liegt direkt vor unserer Haustür.

Ist aber nichts für Amateure. Was macht den Kitzel aus?

Sport ist deshalb so wichtig, weil er dich richtig positioniert. Es geht im Business doch immer ums Gewinnen oder Verlieren. Erfolg ist wunderbar, für den Moment. Aber am nächsten Tag fängst du wieder von vorn an, du musst im Wettkampfmodus bleiben, sonst...

…... wird die 100-Millionen-Euro-Umsatzhürde nie genommen.

Die schaffen wir in diesem Jahr!

Mit Jacken, die den Abenteuergeist der urbanen Luxuskaste wachrütteln wollen?

Die Generation der 50- und 60-Jährigen macht viel Sport, mehr als jede andere zuvor. In deren Wahrnehmung von Qualität geht es nicht mehr um Kleidung, sondern um Performance. Mode und Maßgeschneidertes werden als selbstverständlich vorausgesetzt.

Stil und Schmuddel gehen zusammen?

Es ist eine Art "New Deal". Schauen Sie sich nur mal die Werbung mit Fußballtrainer Jürgen Klopp für dieses SUV an. Er startet in der Stadt, das Auto blank gewienert, schlägt sich durch die Wälder und kehrt zurück, die Karre voller Schmutz und Schlamm. Und er ist: glücklich.

Claudio Marenzi
Präsident der Pitti Uomo, größte Messe für Männermode in Florenz.

Pionier
Früher produzierte man für andere Luxuslabels. Als die nach Asien abwanderten, übernahm Sohn Claudio (56) und gründete die eigene Marke.

Preis
Der Erfolg gab Marenzi recht. Er erhielt die höchste Auszeichnung "Cavaliere del Lavoro".

Gibt den Schlüssel beim Concierge ab und geht zum Candle-Light-Dinner, ohne sich umzuziehen?

Die Grenzen überschreiten zu können, von formell zu informell, genau darauf kommt es heute an. Das ist der Trend. Im schönsten Anzug in jedem gegebenen Moment auf Safari gehen zu können. Aus einer Businessumgebung in ein natürlich-wildes Umfeld zu wechseln, das ist modernes Abenteuertum.

Das ist vor allem Illusion.

Ein bisschen Wildheit sollten wir uns schon gönnen. Gerade für einen Unternehmer ist es wichtig, gar nicht erst über Gefahren nachzudenken. Besser auch, nicht zu intelligent zu sein, sonst grübelt man zu viel über Risiken und Eventualitäten und handelt nicht.

Sie haben Philosophie studiert, da wird Denken wie Sport betrieben.

Ich bin ein großer Anhänger von Immanuel Kant, wenn es um Ethik und Pflicht geht. Aber mehr noch habe ich von Friedrich Nietzsche gelernt.

Gott ist tot - und das in Italien?

Durch Nietzsche bin ich zum Preußen geworden: Wir bestimmen unser Handeln selbst und sind dafür verantwortlich. Ich bin ein intuitiver Mensch, für alles andere habe ich kompetente Manager.

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