Freitag, 15. Dezember 2017

Ortsbesuch bei einem der härtesten Investoren der Welt Was Großaktionär Cerberus mit der Commerzbank vorhat

Bankenviertel in Frankfurt: Der "Höllenhund" Cerberus ist Großaktionär der Commerzbank - und inzwischen auch bei der Deutschen Bank investiert

Knallhart und klandestin: Durch den Einstieg bei Commerzbank und Deutscher Bank wird der US-Investor zum Machtfaktor in Europas Finanzindustrie. Ein Ortsbesuch in New York.

Die folgende Geschichte stammt aus der Ausgabe 11/2017 des manager magazins, die Ende Oktober erschien. Wir veröffentlichen Sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Als sich Stephen Feinberg (57) und Mark Neporent (60) das erste Mal trafen, waren sie noch erbitterte Gegner. 1992 verhandelten sie über das Schicksal des Computerherstellers Wang Laboratories. Der konkurrierte in den 80ern auf Augenhöhe mit Branchengrößen wie IBM Börsen-Chart zeigen und Dell Börsen-Chart zeigen; seine Minicomputer genossen Kultstatus.

Doch Missmanagement hatte das Unternehmen unter seiner Schuldenlast zusammenbrechen lassen. Nun saßen die potenziellen Resteverwerter über Wang zu Gericht. Wer würde den Poker um den Firmenkadaver gewinnen: Feinberg mit seiner eben erst gegründeten Private-Equity-Firma Cerberus? Oder der Finanzinvestor Steinhardt Partners, beraten von Neporent, Anwalt der New Yorker Wirtschaftskanzlei Schulte Roth & Zabel?

Steinhardt erhielt den Zuschlag - und Neporent wenige Tage später einen Anruf von Feinberg. "Steve sagte, er wolle mich künftig auf seiner Seite des Tisches haben", erinnert sich Neporent heute, 25 Jahre später. Feinberg hasst Niederlagen.

Fortan beriet Neporent hauptsächlich Cerberus - und wechselte 1998 ganz die Seiten. Seither gehört der Yankees-Fan mit der markanten Glatze als Chefsyndikus und Chief Operating Officer (COO) zum Inner Circle, der Cerberus zu einem der aggressivsten und erfolgreichsten Finanzinvestoren der Welt gemacht hat.

Der harte Kern ist seit Jahrzehnten dabei: Feinberg als Gründer, Neporent als Consigliere. Dazu Vize-Chairman Lenard Tessler (65), in dessen Gehirn alle wichtigen Zahlen zu den Cerberus-Beteiligungen gespeichert sind, Europa-Chef David Teitelbaum (46) sowie Frank Bruno (52), der die Banken- und Versicherungsbeteiligungen managt und kaum etwas spannender findet als komplexe Deals und Finanzierungsstrukturen. Für die politische Landschaftspflege zuständig sind Dan Quayle (70), rechtschreibschwacher Vize unter US-Präsident George Bush senior, sowie John Snow (78). Der diente Bush junior als Finanzminister und legt bis heute großen Wert darauf, als "Mr Secretary" angesprochen zu werden.

"Cerberus wird byzantinisch geführt. Die Topleute kennen sich seit Jahrzehnten und bilden einen Kreis, in den niemand hineinkommt", sagt einer, der lange für eine Cerberus-Tochter gearbeitet hat und die Professionalität der Amerikaner sehr schätzt. Der menschen- und medienscheue Cerberus-Gründer Feinberg und seine Lieutenants lieben es, scheinbar aussichtslose Assets aufzuklauben, beinhart zu restrukturieren und teuer zu verkaufen, um für ihre Investoren die angepeilte Jahresrendite von 18 bis 22 Prozent zu verdienen.

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