Mittwoch, 21. November 2018

Probleme bei Saturn und Media Markt - hilft ein Verkauf des Metro-Pakets? Warum Ceconomy tief in der Krise steckt

Ceconomy: Pieter allein zu Haus
Fritz Beck für manager magazin

Der Elektronikhändler Ceconomy muss die von Metro übernommenen Hypotheken abtragen und hausgemachte Probleme lösen. Vorstandschef Pieter Haas sortiert reihenweise Manager aus. Womöglich ist er der Nächste, der gehen muss. Doch jetzt könnte viel Geld in die Ceconomy-Kasse fließen. Denn der Elektronikhändler bereitet offenbar den Verkauf seiner 10-Prozent-Beteiligung an Metro vor.

Die folgende Geschichte stammt aus der August-Ausgabe 2018 des manager magazins, die Ende Juli erschien. Wir veröffentlichen sie hier als Kostprobe unseres Journalismus' "Wirtschaft aus erster Hand". Damit Sie künftig früher bestmöglich informiert sind, empfehlen wir ein Heft-Abo.

Pieter Haas (55) ist vom Ehrgeiz gepackt. Er will beweisen, was er alles kann - vor allem, was er allein schaffen kann. Er ackert und wirbelt, als wäre er noch in der Probezeit. Und so ähnlich verhält es sich auch.

Seit einem Jahr ist die Gesellschaft, der er vorsteht, selbstständig und an der Börse notiert. Und seitdem spitzen sich die Probleme zu. Haas muss schnell handeln, sonst kann es ein böses Ende nehmen - mit dem Chef, aber auch mit dem Unternehmen, das den Kunstnamen Ceconomy trägt.

Sein wesentliches Asset ist eine 78-prozentige Beteiligung am Elektronikhändler Media-Saturn Holding (MSH). Die Dachgesellschaft von europaweit gut 1000 Media-Markt- und Saturn-Filialen mit 22 Milliarden Euro Umsatz war Mitte 2017 vom Foodgeschäft der Metro AG abgespalten worden. Auf sich gestellt, sollte sich die MSH besser entwickeln, so die Verheißung.

Richtig ist: Das Elektronikbusiness läuft mau, auch im alles dominierenden Heimatmarkt. Insbesondere die Traditionsmarke Saturn verliert an Strahlkraft - ihr Überleben scheint fraglich. Von seinem selbst erklärten Ziel, einer Ebitda-Marge von 5 Prozent des Umsatzes, ist Haas weit entfernt. Der Börsenwert von Ceconomy Börsen-Chart zeigen ist innerhalb der letzten sechs Monate um 43 Prozent gesunken.

Haas steuert hart gegen. Der Ceconomy- und in Personalunion auch MSH-Chef

  • wirft reihenweise Manager raus;
  • dünnt das Markenportfolio aus, das sieche Zweitlabel Saturn wurde in etlichen Ländern bereits beerdigt;
  • zieht in Russland die Notbremse;
  • kaufte sich beim französischen Marktführer Fnac Darty ein;
  • baut auf europäischer Ebene eine Einkaufskooperation zusammen, die helfen soll, Amazon & Co. die Stirn zu bieten;
  • holt mit dem Telekomanbieter Freenet einen Neuaktionär hinein, der die klamme Ceconomy mit Geld versorgt;
  • schloss mit den Kellerhals-Erben einen Nichtangriffspakt und verhandelt nun über einen Ausstieg der Minderheitseigner.

Doch reicht das?

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