Samstag, 15. Dezember 2018

Probleme bei Saturn und Media Markt - hilft ein Verkauf des Metro-Pakets? Warum Ceconomy tief in der Krise steckt

Ceconomy: Pieter allein zu Haus
Fritz Beck für manager magazin

4. Teil: Zerstörtes Vertrauen

Nun sprechen Haas und Becker fast wöchentlich miteinander, mal persönlich, mal telefonisch. Ab und zu sind Investmentbanker dabei, Nomura für Convergenta und Société Générale für Ceconomy.

Ihre Ziele sind deckungsgleich: Die Familie Kellerhals will raus aus dem Engagement bei Media-Saturn - vor allem weil die GmbH-Anteile nicht fungibel sind. Haas möchte das Paket übernehmen, um bei MSH durchregieren zu können.

Die Scharfmacher dürfen nicht mehr mitreden.

Nur auf einen Preis können sich die Parteien bislang nicht einigen. Die Spannweite reicht von 500 Millionen Euro, was die heutige Marktkapitalisierung von Ceconomy spiegelt, bis hin zu zwei Milliarden Euro, was dem Firmenwert entspräche, wenn Haas seine Ebitda-Zielmarge von 5 Prozent erreichte.

Bargeldlos stemmen ließe sich der Erwerb durch einen Tausch des Kellerhals-Pakets an MSH gegen eine Beteiligung an Ceconomy - im Zuge einer Kapitalerhöhung durch Sacheinlage. Da Ceconomy nur aus wenig mehr besteht als der MSH-Mehrheit, könnte auch die Beteiligungsquote der Familie Kellerhals in Richtung 20 Prozent gehen.

"Wir werden uns auf jeden Fall den Sommer Zeit nehmen, eine nachhaltige Lösung zu finden", sagt Haas. Die könnte auch die Blockade bezüglich des MSH-Jahresabschlusses beenden. Convergenta hatte gegen die Bilanz 2016/17 ihr Veto eingelegt. Begründung: Bei Media-Markt Italien seien unzulässigerweise Pensionsrückstellungen aufgelöst worden, das MSH-Ergebnis sei dadurch geschönt worden.

Für Ceconomy ist die Angelegenheit unangenehm, auch wenn Haas darauf verweist, die Wirtschaftsprüfer hätten die Bilanz testiert. Ohne Unterschrift von Convergenta fließt keine Dividende von MSH. Um seinen Aktionären Gewinn ausschütten zu können, musste sich Ceconomy Geld leihen.

Die Liquiditätsnot bewog Haas, einen neuen Aktionär hereinzuholen. Mitte Juni war durchgesickert, dass Ceconomy sein Kapital unter Ausschluss der Altaktionäre erhöhen wollte. Die anstehende Verwässerung der Anteile bestrafte die Börse mit einen Kursabschlag von fast 15 Prozent an einem einzigen Tag.

Freenet-Chef Christoph Vilanek (50), dessen Firma seit mehr als 25 Jahren Mobilfunkverträge über Media-Markt und Saturn vertreibt, las die Meldung im Internet und rief Haas an: Freenet Börsen-Chart zeigen würde die Kapitalerhöhung gern zeichnen. Nach ein paar Tagen meldete sich der Ceconomy-Chef wieder und fragte, ob Vilanek bereit sei, den Aktienkurs vom Tag vor dem Informationsleck zu zahlen. Sonst würden sich die Altgesellschafter mit einer Zustimmung schwertun.

Vilanek willigte ein. Er glaubt an das Geschäftsmodell des Retailers - zahlt allerdings mit 8,50 Euro je Aktie auch nur wenig mehr als den Jahrestiefstkurs. Weniger lukrativ ist die Kapitalerhöhung für Ceconomy: Die eingenommenen 277 Millionen Euro reichen gerade mal eben für den Russland-Deal.

Newsletter von Sören Jensen

Die Begeisterung der Familie Kellerhals, bei Ceconomy einzusteigen, dürfte das nicht erhöht haben. Ihr Vertrauen in Haas scheint irreparabel zerstört. Die Erben hätten es am liebsten, wenn Haas seine Doppelfunktion aufgäbe und sich aus der Ingolstädter MSH-Geschäftsführung zurückzöge.

Als Nachfolger stünde Wolfgang Kirsch (55) bereit - derzeit der einzige Geschäftsführer mit Rückendeckung beider Gesellschafter, allerdings nur mit einem Einjahresvertrag ausgestattet.

Haas selbst hat bei Ceconomy einen Vertrag bis 2022. Den wird er aber nur erfüllen können, wenn er die versprochenen Renditeziele liefert und den Aktienkurs steigert.

Sonst hat er bald ganz viel Zeit, um von seinem Haus im Tiroler Lermoos den Blick auf die Zugspitze zu genießen.

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