Sonntag, 19. November 2017

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Brenninkmeijer C&A - Kaufhaus-Dynastie zerlegt sich selbst

C&A-Eigentümer Brenninkmeijer: Machtkampf im Multi-Milliarden-Clan
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imago / Joachim Schulz

Die Eigentümer der Textilkette C&A überziehen sich gegenseitig mit Gerichtsverfahren. Mehrere Clanmitglieder wehren sich gegen die archaischen Sitten und überkommenen Rituale. Die Sippe droht auseinanderzubrechen - mit unabsehbaren Folgen für das Imperium.

Man merkt Alexander Brenninkmeijer (47) nicht an, wie viel Hartnäckigkeit in ihm steckt. Der schlaksige, elegant gekleidete Modedesigner, der mit seinen Kollektionen regelmäßig durch Europas Städte tourt, wirkt wie einer, der Kompromisse macht und sich anpasst. Kaum zu glauben, dass ausgerechnet dieser verbindliche Typ den Mumm hat, sich mit einer der reichsten Familien der Welt anzulegen.

Und doch kämpft Alexander im Verborgenen gegen ebenjenen Clan, dessen Nachnamen er trägt: die Brenninkmeijers, Eigentümer der Bekleidungskette C&A, Besitzer Aberhunderter Immobilien in besten Innenstadtlagen und Herrscher über milliardenschwere Firmenbeteiligungen in den verschiedensten Branchen. Eine global verankerte Sippe, die Abweichler aus den eigenen Reihen rigoros abstraft.

Die Unnachgiebigkeit seiner Verwandtschaft hat Alexander bereits vor Jahren am eigenen Leib erfahren, als er auf die Idee kam, seine Anzüge und Kleider unter dem Namen "Clemens en August" zu vertreiben - den Vornamen der beiden C&A-Gründer. Mitglieder der Großfamilie setzten ihn brutal unter Druck, er wurde mit teuren Gerichtsverfahren in der Schweiz und in Großbritannien überzogen. Nur mit Mühe gelang es Alexander, seine Firma vor dem Untergang zu bewahren.

Der Streit um die Marke ist mittlerweile beigelegt; Alexander obsiegte über seine Widersacher. Umso bemerkenswerter ist, dass der Renegat aus München weiter aufbegehrt: Die Brenninkmeijers, so fordert er in einer Klage gegen die Gesellschafter des Konzerns vor dem Kantonsgericht im schweizerischen Zug, sollen eine Schiedsstelle einrichten, die in Konfliktfällen als unabhängige Instanz agiert. Für den Clan, in dem Streitigkeiten bislang von einigen wenigen Strippenziehern entschieden werden, käme das einer Revolution gleich.

Die bizarren Rituale im Brenninkmeijer-Clan

Bis in die sechste Generation hinein ist es den Brenninkmeijers gelungen, ihr Erbe zu bewahren. Doch der Preis für die Geschlossenheit ist hoch. Die überwiegende Mehrheit der rund 1800 Köpfe umfassenden Dynastie hat nichts zu melden. Der Zugriff auf das Familienvermögen ist ihnen verwehrt, die Anteile an dem weitverzweigten Reich verteilen die Gesellschafter nach Gutdünken.

Alle Familienmitglieder müssen sich einem völlig intransparenten Regelwerk und der Herrschaft von ein paar Dutzend Partnern beugen: Die bestimmen, wer welchen Posten in der Unternehmensgruppe bekommt. Und wenn sich einer der Ihren scheiden lässt, haben sie sogar die Macht, ihn aus der Firma zu werfen - und ihm seine Beteiligung am Konzern zu entziehen.

Derart archaische Sitten, die ständige Gängelung bis hin zur Bevormundung, will eine wachsende Zahl von Brenninkmeijers nicht mehr hinnehmen. Es gärt gewaltig in der konservativen Sippe. Einige ziehen vor die Gerichte, andere äußern ihren Unmut bislang nur im vertrauten Kreis. Sie verlangen mehr Mitsprache und wollen, dass die unter Verschluss gehaltenen Statuten für alle offengelegt werden.

Ein ungeheuerlicher Vorgang für den Clan, der 174 Jahre lang nach dem Motto "Eintracht macht stark" unverbrüchlich zusammenhielt. Setzen sich die Abtrünnigen durch, droht die Sippe auseinanderzubrechen - mit unabsehbaren Folgen für das gesamte Imperium.

Weitverzweigtes Imperium: Unter dem Dach der Schweizer Cofra bündelt der Brenninkmeijer-Clan seine Firmen
manager magazin
Weitverzweigtes Imperium: Unter dem Dach der Schweizer Cofra bündelt der Brenninkmeijer-Clan seine Firmen
Der Wertekanon der Brenninkmeijers geht zurück auf Vorfahren aus dem 17. Jahrhundert. Sie waren Hausierer, die mit dicken Rucksäcken voller Leinenstoffe vom westfälischen Dörfchen Mettingen aus durch die Lande zogen und ihre Ware verhökerten. Der kräftezehrende Beruf prägte die Männer, die sich Tödden nannten: Sie galten als diszipliniert, verschwiegen und sparsam.

Später ließen sich viele Tödden in Holland nieder - wie auch Clemens und August Brenninkmeyer, die 1841 in der Ortschaft Sneek eine Textilfirma eröffneten. Zur Erinnerung an die holländischen Wurzeln nennt sich der Gesellschafterrat bis heute Sneeker Kring ("Kring" steht für "Kreis").

Die beiden tief gläubigen Brüder führten sowohl ihre Familien als auch das gemeinsame Unternehmen mit harter Hand. Töchter hatten im Betrieb nichts zu suchen, und den Söhnen wurden Firmenanteile erst dann übertragen, wenn sie sich nach langer Ausbildung als tauglich erwiesen hatten.

Das hat sich in der jetzigen, der sechsten Generation in einem Punkt geändert: In den 90er Jahren stemmte sich Annerie Brenninkmeijer mit anwaltlicher Hilfe gegen den Ausschluss der weiblichen Nachkommen und gewann nach zähem Kampf. Seither dürfen auch Töchter in den Konzern einsteigen und gegebenenfalls Mitinhaberinnen werden - vorausgesetzt, sie behalten auch nach einer eventuellen Hochzeit den Namen Brenninkmeijer.

Mit Johanna Brenninkmeijer (32) hat soeben die erste Frau den Olymp erklommen: Sie wurde in den Sneeker Kring aufgenommen.

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