Dienstag, 25. September 2018

Brenninkmeijer C&A - Kaufhaus-Dynastie zerlegt sich selbst

C&A-Eigentümer Brenninkmeijer: Machtkampf im Multi-Milliarden-Clan
imago / Joachim Schulz

3. Teil: Das Erbe zersplittert nicht

Für das einzelne Familienmitglied hat dieses System eine entmündigende Wirkung, für den Zusammenhalt der Sippe und den Fortbestand des Unternehmens hat es Vorteile: Zum einen zersplittert das Erbe nicht. Zum anderen entstehen kaum Machtballungen, was Stammesfehden weitgehend begrenzt. Obendrein bleibt der Kreis der Teilhaber überschaubar. Derzeit gehören nur 68 der insgesamt 1800 Clanmitglieder dem Sneeker Kring an.

Heft 3/2015
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Einer aus der Familie, der seinen Namen nicht gedruckt sehen will, vergleicht das Konstrukt mit einem Uhrwerk. "Jeder Brenninkmeijer ist ein Zahnrad und wenn ein kleines Rädchen defekt ist oder fehlt, läuft die Uhr nicht. Deswegen müssen alle nach den gleichen Regeln funktionieren."

Die Frage ist nur: Wer definiert die Regeln? Wer hat das Sagen in der Sippschaft?

Ein jahrzehntealtes Papier namens Unitas definiert unter anderem, wie die Weitergabe der Geschäftsanteile zu erfolgen hat. Das Dokument wird laufend ergänzt und dann im Kreis der Partner verlesen. Eine Kopie erhalten die Gesellschafter nicht, lediglich der jeweilige Pater Familias hat Zugriff auf Unitas.

Derzeitiges Familienoberhaupt ist Maurice Brenninkmeijer (54), der zugleich als Chairman bei der Cofra fungiert - jener Holding, unter deren Dach alle Brenninkmeijer-Firmen gebündelt sind (siehe Organigramm). Gewählt wurde Maurice nicht, behauptet ein Brenninkmeijer, der selbst einmal dem Sneeker Kring angehörte. "Bei uns wird nur ganz selten abgestimmt", versichert er, "meistens werden die Dinge untereinander geregelt."

Will heißen: Die Entscheidungsstrukturen sind völlig intransparent. Wer wann auf welchen Posten kommt - ausgemauschelt. Wer in den Sneeker Kring aufgenommen wird - hinter verschlossenen Türen beredet. Wer warum aus dem Unternehmen fliegt - Geheimabsprache.

Dreimal im Jahr reisen die Partner an den Firmensitz der Cofra nach Zug oder nach Mettingen, wo sich die Brenninkmeijers bis heute zu Familienfesten treffen oder ihren Urlaub verbringen. Bei den zwei- bis dreitägigen Zusammenkünften geht es zunächst um familiäre Angelegenheiten, wobei sogar Details wie die Noten der Studenten diskutiert werden. Später stehen Unternehmensthemen im Mittelpunkt.

Rein formal trifft der Sneeker Kring die wesentlichen Beschlüsse. De facto aber werde "nur abgenickt, was zuvor eine Handvoll Gesellschafter ausgeklüngelt hat", sagt ein Brenninkmeijer.

Insider unterscheiden drei Kategorien von Partnern: den Inner Circle, den die Wortführer bilden; die Arbeitsbienen, die zwar einen guten Job machen, aber über keinen Einfluss verfügen; und diejenigen Anteilseigner, deren Beitrag zum Unternehmen ziemlich überschaubar ist und die trotzdem geduldet werden.

Zum inneren Kreis zählen neben Chairman Maurice, der das Machtzentrum seit einigen Jahren leitet, Cofra-Chef Martijn Brenninkmeijer (44) und Cofra-Aufsichtsrat Stan Brenninkmeijer.

Maurice ist intern nicht unumstritten. Vor lauter Angst, in Ungnade zu fallen, äußern indes nur wenige ihre Unzufriedenheit. Die Kritiker behaupten, dem erzkonservativen Cofra-Chairman fehle das Unternehmergen, er sei ein menschen- und konfliktscheuer Intellektueller, der ungern im Team arbeite.

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