Samstag, 3. Dezember 2016

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Metropole São Paulo Willkommen in der Vorhölle

São Paulo: Für Manager ein lebensgefährlicher Platz
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REUTERS

Wer in Lateinamerika Geschäfte machen will, kommt an dem Moloch São Paulo nicht vorbei. Es ist der wichtigste Außenposten der deutschen Wirtschaft, größer als New York oder Shanghai. Keiner will dort leben. Jeder will nur überleben.

Benedikt Heid tut alles, um übersehen zu werden. Wenn der Lateinamerika-Chef des Heidelberger Dosiertechnikspezialisten Prominent morgens zur Arbeit fährt, dann steigt er nicht in eine Firmenlimousine, wie es ihm zustünde, sondern in einen unauffälligen Honda Civic. Der Sicherheit wegen.

Wer in São Paulo Mercedes oder BMW fährt, fährt gepanzert. Alles andere wäre lebensgefährlich. Und selbst Heids kleiner Honda parkt nicht irgendwo, sondern hinter einer Sicherheitsschleuse, die in unseren Breitengraden Mitarbeitern von Geheimdiensten vorbehalten ist.

Der 31-jährige Heid wohnt in einem Apartmenthaus in Itaim Bibi, einem der besten Stadtviertel. Um aus seiner Tiefgarage zu kommen, muss er zwei Schleusentore passieren, jedes bestückt mit Kameras und Wachposten. Erst wenn das erste geschlossen ist, wird das zweite hochgefahren. Das soll es Eindringlingen erschweren, reinzukommen - selbst wenn sie den ersten Wachmann erschossen haben.

Willkommen in São Paulo, dem wichtigsten Außenposten der deutschen Wirtschaft. Heid ist einer von 15.000 Bundesbürgern, die in São Paulo leben und arbeiten. Rund 1300 heimische Unternehmen haben sich in der brasilianischen Metropole angesiedelt, sie ist zum größten deutschen Industriestandort jenseits der Grenze avanciert. Größer als Shanghai oder New York.

Bürokratie und Korruption machen Unternehmern das Leben zur Hölle

Konzerne wie Siemens Börsen-Chart zeigen und Volkswagen Börsen-Chart zeigen waren vor Jahrzehnten die Ersten, die sich nach Brasilien wagten. Nun drängen immer mehr Mittelständler nach, angelockt vom Boom des größten lateinamerikanischen Schwellenlands. Das brasilianische Bruttoinlandsprodukt (BIP) hat sich seit 2003 - nominal und in US-Dollar gerechnet - vervierfacht, auch wenn es zuletzt etwas schwächelte. Es ist vor allem die breiter werdende, konsumfreudige Mittelschicht, die das Wachstum antreibt. Mit seinen knapp 200 Millionen Einwohnern gehört Brasilien zu den begehrtesten Märkten der Welt.

Das Problem: In Brasilien Geschäfte zu machen ist ein Albtraum. Im Doing-Business-Ranking der Weltbank liegt das Land abgeschlagen auf Rang 116, hinter Chaosstaaten wie der Ukraine, Pakistan und Papua-Neuguinea.

Wuchernde Bürokratie, absurd hohe Steuerlasten, explodierende Produktionskosten, miserable Infrastruktur und die allgegenwärtige Korruption machen den Unternehmern das Leben zur Hölle.

Schlimmer als diese sogenannten Brasilien-Kosten (Custo Brasil) sind für Ausländer nur noch die Kriminalität und Gewaltbereitschaft, die in den Metropolen um sich greifen.

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